Ausstellung Kolonialzeit Luxemburg  (Foto: MNHA/Tom Lucas)

Luxemburgs koloniale Vergangenheit

Barbara Grech / Onlinefassung: Patrick Wiermer   04.05.2022 | 11:15 Uhr

Das ist vielen nicht bekannt: Auch Luxemburg hat eine koloniale Vergangenheit. Die Zeit ist geprägt von Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung. Das zeigt die neue Ausstellung "Luxemburgs koloniale Vergangenheit" im Musée national d´histoire et d´art.

Ein kritischer Blick auf Luxemburgs koloniale Vergangenheit
Audio [SR 2, Barbara Grech, 30.04.2022, Länge: 03:40 Min.]
Ein kritischer Blick auf Luxemburgs koloniale Vergangenheit

Es muss ein angenehmes Leben gewesen sein, dass die Luxemburgerin Yvonne Dolizy-Harpes da in den 50er-Jahren in Belgisch-Kongo geführt hat. Umgeben von schwarzen Bediensteten. Doch das angenehme Leben hatten nur die Weißen. Belgien und Luxemburg hatten lange Zeit eine gemeinsame Wirtschafts- und Außenpolitik und die Luxemburger waren den belgischen Staatsbürgern rechtlich gleichgestellt, konnten also auch dort im öffentlichen Dienst arbeiten, Regis Moes, Kurator der Ausstellung.

"Deshalb gingen zunächst die Männer, später auch die Familien nach Belgisch-Kongo. Einige Kinder wurden dort auch geboren. Kurz vor der Unabhängigkeit lebten etwa 600 Luxemburger dort. Klingt erstmal wenig, aber wenn man das die damalige Bevölkerung Luxemburgs hochrechnet, etwa 300 000 Einwohner, da heißt das 2 von 1000, die in Belgisch-Kongo leben".

Ausbeutung und Raub

Und dort, auf dem Rücken der einheimischen Bevölkerung, ordentlich Reibach gemacht haben. Das zeigt diese Ausstellung auch: „Ob jetzt die Tabac du Globe oder die Duscher Werke, die Palmölpressen produzierten, die ganz gezielt den globalen Markt erschließen wollten“.

Diese Ausstellung wirft, trotz aller bunten Propaganda-Plakate und Filmen, einen kritischen Blick auf diese koloniale Vergangenheit, und natürlich sind auch die üblichen Trophäen, also Schmuck und Kunsthandwerk, die die Kolonialisten dort geraubt hatten, zu sehen.

Ausstellung Kolonialzeit Luxemburg  (Foto: MNHA/Tom Lucas )
Ein luxemburgischer Kolonialbeamter lässt sich von kongolesischen Paddlern herumfahren. (Foto: MNHA/Tom Lucas)

„Das sind Teile einer Sammlung, die 1898 nach Luxemburg kam. Gespendet von einem Deutschen, einem gewissen Albert Bring, der sie dem Großherzog geschenkt hatte, der sie wiederum an das Museum weitergegeben hatte. Bei einigen Objekten wissen wir heute ganz genau, dass es sich dabei um Raubgut handelt, das Bring und andere deutsche Offiziere Gefangenen abgenommen hatten.“

Zwischen Exotik und Rassismus

Exotik trifft auf Geschichts-Bewusstsein. Bunte Propaganda-Plakate auf die Aufarbeitung der Gräueltaten, die in den ehemaligen Kolonien in Afrika den Menschen dort angetan wurden, und Klischees, die bis heute noch in unseren Köpfen sind. „Die Afrikaner werden dargestellt als Wilde oder als große Kinder, die Hilfe brauchen. Diese Klischess hallen eigentlich bis heute nach.

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