Gedenkstelle in Trier  (Foto: SR)

War es eine geplante Tat?

Interview: Renate Wanniger / Onlinefassung: Patrick Wiermer   03.11.2021 | 12:20 Uhr

Der Prozess um die Amokfahrt in Trier geht weiter. Am 2. November wurde mit einiger Spannung die Aussage einer Freundin des mutmaßlichen Täters erwartet. Denn es steht im Raum, dass die Amokfahrt geplant war. So hat es zumindest auch ein Polizist ausgesagt, der den Angeklagten nach der Tat vernommen hat. Im Interview: SWR-Reporter Martin Schmitt.

SR: Welchen Eindruck haben Sie gewonnen? Könnte diese Tat eiskalt geplant worden sein?

Martin Schmitt: Es gibt einige Anzeichen, die dafür sprechen. Der Chef der Mordkommission hat gestern im Prozess ausgesagt, dass er überzeugt ist, dass es keine spontane Tat war. Der Angeklagte soll am Tattag sein Konto leergeräumt haben, er soll beim Arbeitgeber gekündigt haben und soll einer Freundin die Wohnungsschlüssel gegeben haben. Und diese Freundin hat gestern als Zeugin ausgesagt, dass sich der Angeklagte in letzter Zeit verändert hat. Er habe wirre Gedanken gehabt. Er fühlte sich beobachtet und ausspioniert. Drei Tage vor der Tat habe sie die Polizei angerufen und gesagt, hier will jemand durchdrehen. Die Polizei habe ihr aber gesagt, dass sie noch abwarten solle, bis es konkreter wird und dass sie sich dann nochmal melden solle.

SR: Hätte die Tat denn verhindert werden können, wenn die Polizei rechtzeitig reagiert hätte?

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Freundin im Trierer Amok-Prozess sagt aus: "Jetzt knallt es"
Mit Spannung war ihre Aussage erwartet worden: Am Dienstag sagte eine enge Freundin des mutmaßlichen Amokfahrers vor Gericht aus.

Martin Schmitt: Das ist natürlich jetzt die große Frage im Prozess: Wurde die Freundin abgewimmelt, wie sie sagt? Die Verteidigung hat jetzt beantragt, die Notrufbänder zu bekommen, um sie sich nochmal anhören zu können.

SR: Wieso kommen diese Anschuldigungen erst jetzt ans Tageslicht?

Martin Schmitt: Die Frau wurde ja einen Tag nach der Amokfahrt vernommen. Und da soll sie gesagt haben, dass der Mann immer wieder Alkohol getrunken und wirres Zeug geredet habe. Aber sie soll auch gesagt haben, dass sie ihn als lieben Jungen, als höflich und zuvorkommend kennengelernt habe. Die Aussagen sind also durchaus widersprüchlich. Aber, dass sie drei Tage vor der Tat den Notruf gewählt hat, das war uns neu.

SR: Wie zuverlässig sind denn die Aussagen der Frau?

Martin Schmitt: Ihr wurde auch von einem Anwalt der Nebenkläger ins Gewissen geredet, hier die Wahrheit zu sagen. Sie hat sich teilweise in Widersprüche verwickelt. Das ist schon etwas zweifelhaft. Da stellen sich doch noch einige Fragen.

Das Interview führte Renate Wanninger.

Das Interview zum Nachhören

Amokfahrt in Trier: War die Tat geplant?
Audio [SR 3, (c) SR Renate Wanniger , 03.11.2021, Länge: 03:38 Min.]
Amokfahrt in Trier: War die Tat geplant?

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 03.11.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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