SR 3 Echt live! mit Sebastian Krumbiegel (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Wir sind alle Menschen und sollten uns umeinander kümmern"

30 Jahre Deutsche Einheit: Interview mit Sebastian Krumbiegel

Interview. Michael Friemel   02.10.2020 | 08:54 Uhr

Sebstian Krumbiegel, seines Zeichens Sänger und Musiker, wurde 1966 in Leipzig geboren. In den 90er Jahren wurde er mit seiner Band "Die Prinzen" in ganz Deutschland bekannt. Am 2. Oktober hat er mit Moderator Michael Friemel über seine Sicht auf die Deutsche Einheit gesprochen.

"Wir sind alle Menschen und sollten uns umeinander kümmern"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Sebastian Krumbiegel, 02.10.2020, Länge: 05:39 Min.]
"Wir sind alle Menschen und sollten uns umeinander kümmern"

Leipzig gilt als die Stadt der Helden. So wurde die Stadt in Anlehnung an die sowjetische Bezeichnung "Heldenstadt" genannt. Grund waren die Montagsdemonstrationen 1989, die einen entscheidenden Impuls für die Wende in der DDR gaben. Darum findet der gebürtige Leipziger Sebastian Krumbiegel das Datum 3. Oktober als dem Tag der Deutschen Einheit für etwas "künstlich" festgelegt. "Gerade wir in Leipzig hätten den 9. Oktober lieber als Datum gehabt, denn der 9. Oktober war der entscheidende Tag der Montagsdemos", sagt Krumbiegel. An diesem Tag seien so viele Menschen auf der Straße gewesen, "dass die Staatsmacht nicht mehr reingrätschen konnte."

"Wir wollten Popstars werden"

Er persönlich habe die Wiedervereinigung weniger politisch denn vielmehr als Musiker gesehen, als Möglicheit, auch außerhalb der bisherigen Grenzen der DDR aufzutreten. "Wir wollten Popstars werden und haben damals gedacht: Hey, jetzt öffnet sich für uns ein großes Tor und die Welt liegt uns zu Füßen." Heute sagt er: Diese hohen Erwartungshaltungen, die vermutlich viele damals gehabt hätten, "konnten gar nicht erfüllt werden."

Im Anderssein etwas Positives sehen

Doch ob 3. oder 9. Oktober wichtig sei heute, "endlich die Dinge mal postitiv zu sehen - auch in dem Anderssein etwas Positives zu sehen, so Krumbiegel. Ob Norddeutschland, Bayern oder Sachsen - die Menschen seien einfach unterschiedlich, und alle hätten ihren Charme. Und außerdem: "Natürlich sind wir ein Land. Aber wir sind vielmehr auch ein Europa, eine Welt."

Dass im Lauf der Jahre auch viele Fehler bei der realen Wiedervereinigung gemacht worden seinen, sei keine Frage. Aber man sollte doch den Blick und die Kraft auf diejenigen richten, die Hilfe brauchen. "Wir sind alle Menschen und sollten uns umeinander kümmern, wir sollten die, die es nicht alleine schaffen, an die Hand nehmen." Das sei viel wichtiger als immer über die Unterschiede zu reden.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 02.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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