Dr. Wolfram Henn (Foto: Deutscher Ethikrat/Reiner Zensen)

"Wir machen nicht die Arbeit der Regierung, wir bereiten sie vor"

Interview: Michael Friemel   23.06.2021 | 08:46 Uhr

Der Deutsche Ethikrat feiert in diesem Jahr Jubiläum: Seit 20 Jahren gibt der Rat Empfehlungen zu gesellschaftlichen Themen ab. Mitglied seit 2016 ist Professor Wolfram Henn von der Universität des Saarlandes. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen.

Der Deutsche Ethikrat berät unter anderem die Bundesregierung und den Bundesrat. Dafür arbeiten 24 Mitglieder aus unterschiedlichen Fachbereichen ehrenamtlich im Ethikrat. Sie können sich für das Ehrenamt nicht bewerben, sondern werden in den Ethikrat berufen.

Das Gremium hat sich in den vergangenen 20 Jahren mit vielen Themen beschäftigt, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden. Zum Beispiel: Welche Rechte haben Demente, über sich selbst zu bestimmen? Oder: Sollen Geschwister einander heiraten dürfen?

20 Jahre Ethikrat: "Wir machen nicht die Arbeit der Regierung, wir bereiten sie vor"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Professor Wolfram Henn , 23.06.2021, Länge: 04:14 Min.]
20 Jahre Ethikrat: "Wir machen nicht die Arbeit der Regierung, wir bereiten sie vor"

Jahrestagung zum Thema "Ernährung"

Am 23. Juni geht es bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrates um das Thema "Ernährungsverantwortung". Da gibt es viele Aspekte, die beachtet werden müssen. "Unsere Entscheidung was wir essen, bestimmt zum Beispiel über die Haltungsbedingungen von Tieren", sagt Henn im SR-Interview. Auch auf das Klima könne unser Essverhalten Auswirkungen haben. Eine weitere Frage sei die nach der sozialen Gerechtigkeit: Wie teuer darf wirklich gesundes Essen sein?

Empfehlungen nicht immer einfach

Manchmal sei es nicht einfach Empfehlungen auszusprechen, so Henn. Das gelte vor allem dann, wenn es um solche geht, bei denen letztendlich Entscheidungen mit Bezug auf Menschenleben getroffen werden. Ein Beispiel sei etwa die Impfpriorisierung in der Coronapandemie.

Der Ethikrat hat, so Henn, aber auch die Möglichkeit, ein sogenanntes "Gabelvotum" abzugeben. Das bedeutet: Die Mitglieder des Ethikrates müssen nicht immer ein einheitliches, eindeutiges Urteil fällen. "Wir machen nicht die Arbeit der Regierung, wir bereiten sie vor", erklärt Henn.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 23.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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