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"Equal-care-day" soll auf Ungerechtigkeit aufmerksam machen

Steffani Balle/Onlinfassung: Emil Mura   29.02.2020 | 11:19 Uhr

Einkaufen, Kochen, Waschen, Bügeln und was sonst alles noch so im Haushalt anfällt. Nach wie vor sind es meistens Frauen, die sich um diese Dinge kümmern. Geld bekommen sie dafür nicht. Mit dem sogenannten "Equal-care-day“ wollen Interessenverbände und andere Organisationen erstmals deutschlandweit auf diese Ungleichheit aufmerksam machen. SR 3 Reporterin Steffani Balle hat mit der Leiterin des Saarbrücker Frauenbüros Katharina Kunze über das Thema gesprochen.

Teilzeitbeschäftigte arbeiten meist mehr Stunden am Tag als Vollzeitbeschäftigte, weiß die Leiterin des Frauenbüros in der Landeshauptstadt Katharina Kunze. Sie beobachtet, dass zumeist Frauen neben ihrem eigentlichen Job noch vielen anderen Tätigkeiten nachgehen - seien es Arbeiten im Haushalt, das Kümmern um Kinder und Angehörige oder die Arbeit in Vereinen. Dieses Engagement würde zwar meist mit einem guten sozialen Netzwerk und Anerkennung belohnt, Geld gebe es dafür aber nicht.

Frauen sind finanziell abhängig

Das sagt sie, treibt viele Frauen in eine finanzielle Abhängigkeit von ihren Männern und macht sich vor allem in der Rente bemerkbar. Weil die Frauen im Laufe der Jahre weniger in die Rentenkasse einzahlen, fällt am Ende auch ihre Altersrente entsprechend mager aus. Das macht sich im Saarland besonders bemerkbar. Hierzulande ist die Armutsquote von Frauen im Alter bundesweit am höchsten. Genau auf diese unbezahlte Mehrarbeit wollen die Interessenvertreter mit dem "Equal-care-day" aufmerksam machen.

Schalttag mit Bedacht gewählt

"Equal-care-day" soll auf Ungerechtigkeit aufmerksam machen
Audio [SR 3, Steffani Balle, 29.02.2020, Länge: 03:11 Min.]
"Equal-care-day" soll auf Ungerechtigkeit aufmerksam machen

Der 29. Februar ist dabei mit Bedacht gewählt, sagt Beatrice Zeiger von der Arbeitskammer. Weil es den 29. Februar nur im Vierjahresrhythmus gibt, passt er mit der Zahl der Mehrarbeit zusammen. Denn wie sie sagt, leisten Frauen genau viermal mehr Haus- und Pflegearbeit als Männer. Um das zu ändern brauche es viel Mut und Durchsetzungsfähigkeit. Dabei, sagt sie, würde es den Männern etwas bringen, wenn auch sie mehr "Care-Arbeit" leisten würden. Denn Studien hätten erwiesen, dass Männer, die sich auf diese Weise einbringen länger leben. Trotzdem reichen die immateriellen Vorteile, wie mehr Lebenszufriedenheit nicht aus, um die "Care-Arbeit" zu entlohnen, findet Beatrice Zeiger.

Bessere Bezahlung gefordert

Deswegen sagt sie, müssten auch berufliche Tätigkeiten in der Kinder-, Alten-, oder Krankenpflege besser bezahlt werden. Gleiches gelte für Lehrerinnen oder Erzieher. Die Politik habe da noch eine Menge Spielraum.

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