Schufa Verbraucherservice (Foto: SR)

Heftige Kritik an Schufa-Zugriff auf Kontoauszüge

Interview mit Klaus Müller, Bundesverband der Verbraucherzentralen

  12.01.2021 | 09:35 Uhr

Die Schufa möchte uns in Zukunft in die Kontoauszüge schauen, um uns, nach eigenen Angaben (noch) besser bewerten zu können. Dieser Plan beruht bislang auf einer freiwilligen Teilnahme. Heftige Kritik an dem Geschäftsmodell und der Vorgehensweise kommt von Daten- und Verbraucherschützern.

Schufa: Das gläserne Konto?
Audio [SR 3, (c) SR 3 Michael Friemel, 12.01.2021, Länge: 04:22 Min.]
Schufa: Das gläserne Konto?
Interview mit Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist eine privatwirtschaftliche deutsche Wirtschaftsauskunftei. Sie sammelt Daten über säumige Zahler. Sie ist Anlaufstelle zum Beispiel für Banken, die sicher gehen wollen, dass potenzielle Kunden auch kreditwürdig sind. Auch Vermieter nutzen die Schufa und so abzufragen, ob mögliche Mieter auch solvent sind. Neben der Schufa gibt es auch noch andere Auskunfteien, bei denen Firmen nachfragen können, ob ein Kunde auch zahlungstreu ist. "Das ist nicht verwerflich. Das ist für viele Firmen sogar ausgesprochen wichtig", sagt Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Daten, die viel über den Kontoinhaber verraten

Der Vorstoß der Schufa, nun auch Einblick in die Kontoauszüge zu bekommen, sei ein neues Geschäftsmodell, "nämlich positive Merkmale zu sammeln", so Müller. Und das würde bedeuten: Die Schufa hätte Einblick in alle Zahlungsbewegungen auf dem Konto. Mitgliedsbeiträge für einen Verein oder eine Partei, das Zeitungsabo, welche Einkäufe man im Internet gemacht hat - all das sind Daten, die nichts über die Zahlungsfähigkeit aussagten, aber sehr viel über das Leben und die Interessen des Kontoinhabers verrieten. "Wenn das künftig darüber entscheidet, ob ich Versicherungsbedingungen oder bestimmte Zahlungsbedingungen im Onlinehandel bekomme, ist es etwas, was wir hart kritisieren", so Verbraucherschützer Müller.

Dieses Geschäftsmodell der Schufa würde dazu führen, dass dann ein so genannter Score gebildet würde, also ein Zahlenwert aus all diesen Informationen der unter anderem auch dazu führen könnte, dass für einen dann andere Zahlungsbedingungen gelten würden als ohne diese Angaben. "Und die Schufa würde diese Daten auch verkaufen und damit haben wir ein Problem", sagt Müller.

Prinzip "Vogel friss oder stirb"

Doch wieso sollte man der Schufa überhaupt seine Einwilligung geben, dass sie Kontodaten abfragen darf? "Weil es das Prinzip Vogel friss oder stirb gibt", sagt Müller. Es werde wahrscheinlich Unternehmen geben, deren Dienstleistung man nur bekomme, wenn man die Einwilligung gebe. "Das wäre denkbar für Versicherungen, das wäre denkbar für den Onlinehandel."

Appell an die Datenschutzbeauftragten

Müller appelliert an die Datenschutzbeauftragen der Länder, sich abzustimmen. Das Grundproblem sei, dass dort, wo die Firma ihren Sitz habe, sie versuche, eine Zustimmung zu erhalten. Zurzeit laufe ein Antrag in Hessen und wenn der hessische Datenschutzbeauftragte dem Anliegen zustimme, gelte das dann für ganz Deutschland.

Ein Thema auf SR 3 Saarlandwelle am 12.01.2021 in der Sendung "Guten Morgen".

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