Die Gasdruck-Anzeige steht bei Null. (Foto: dpa)

Gas-Notfall-Plan: Was bedeutet die ausgerufene Frühwarnstufe?

Deutschland bereitet sich auf möglichen Gas-Lieferstopp vor

Interview: Dorothee Scharner / Onlinefassung: Nadja Dominik   30.03.2022 | 19:29 Uhr

Dreht Putin den Gashahn zu? Seit dem Ukraine-Krieg ist das die bange Frage. Die Bundesregierung bereitet sich auf einen solchen Fall vor. Wirtschaftsminister Habeck hat jetzt die Frühwarnstufe des 'Notfallplans Gas' ausgerufen. Was das bedeutet, erklärt Hanno Dornseifer, der Vorsitzende des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes im SR- Interview.

Die Frühwarnstufe ist die Erste von drei Krisenstufen. Momentan gebe es in Deutschland noch keinen Versorgungsengpass, betont Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Man müsse sich aber auf einen Lieferstopp vorbereiten.

Interview: Was bedeutet ein Gas-Lieferstopp durch Russland?
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner (c) SR, 30.03.2022, Länge: 04:03 Min.]
Interview: Was bedeutet ein Gas-Lieferstopp durch Russland?

Vorsichtsmaßnahme für den Fall der Fälle

Hanno Dornseifer ist der Vorsitzende des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes. Er sagt, noch gebe es keine Störung des Gasmarktes. Durch den Plan Russlands, Zahlungen für Gaslieferungen nur noch in Rubel zu akzeptieren und der Entscheidung der G7-Staaten dies abzulehnen, sei nun eine neue Bewertung der Lage notwendig geworden.

Russland habe angekündigt, sollten die Zahlungen nicht in Rubel erfolgen, die Lieferungen einzustellen. Durch die Frühwarnstufe werde nun ein Krisenstab installiert, um auf den Notfall vorbereitet zu sein. Auch das Saarland ist in diesen Krisenstab eingebunden und hält engen Kontakt zum Ministerium. Jetzt müsse man abwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt und ob die nächste Warnstufe ausgerufen werden müsse.

Energieversorgung zur Zeit gesichert

Hanno Dornseifer meint, in den nächsten Wochen und Monaten sei die Versorgung gesichert. Schließlich kämen wir ja jetzt auch in die wärmere Jahreszeit. Wenn es allerdings zu einem Lieferstopp kommen sollte, müssten wir uns auf den kommenden Winter vorbereiten. Und das, so gibt der Experte zu Bedenken, werde für Deutschland schon eine enorme Herausforderung.

Was passiert im Falle eines Lieferstopps?

Im Falle eines Lieferstopps würde man zunächst auf die vorhandenen Reserven in den Speichern zurückgreifen. Außerdem müsse man auch weitere Lieferquellen erschließen: zum Beispiel aus den Niederlanden oder Norwegen.

Darüber hinaus sei geplant, den Markt für LNG (Flüssiggas) zu erschließen. Für Deutschland sei es jetzt wichtig, so Hanno Dornseifer, dass bis zum kommenden Winter die Gasspeicher wieder gefüllt werden. Genau da liege die große Herausforderung, da Deutschland das größte Potential an Arbeitsgasvolumen im gesamten europäischen Markt habe.

Unternehmen und Privathaushalte sind zum Sparen aufgerufen

Das Thema "Energie sparen" sollte zurzeit sehr ernst genommen werden, sagt Hanno Dornseifer. Privathaushalte könnten beispielsweise ihre Heizung ein bis zwei Grad kälter einstellen. "Das merkt man in den Räumen kaum, aber es hat einen deutlichen Spareffekt", so Dornseifer im SR.

Auch Unternehmen, die Erdgas beispielsweise verwenden, um Wärme zu erzeugen, könnten auf alternative Brennstofe wie Öl umsteigen. So könne der Gasbezug in den kommenden Monaten reduziert werden.

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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 30.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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