Ein Sarg wird in den rund 850 Grad heißen Krematoriumsofen gefahren. (Foto: picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)

Gas-Knappheit bedroht Einäscherungen im Saarland

Kostenexplosion erwartet

Interview: Renate Wanninger   25.05.2022 | 12:24 Uhr

Der Krieg in der Ukraine sorgt für Rohstoff- Engpässe und stark steigende Energiepreise. Das könnte sich auch auf die Beerdigungen im Saarland auswirken. Denn wenn das Gas knapp wird, können keine Einäscherungen mehr durchgeführt werden.

Uwe Kunzler ist Geschäftsführer der Vereinigten Feuerbestattungen Saar GmbH. Er betreibt zwei Krematorien in Saarbrücken und Völklingen und bezieht das Gas über die dortigen Stadtwerke. Die Entwicklungen machen ihm große Sorgen. Er rechnet mit dem Schlimmsten.

Video [aktueller bericht, 25.05.2022, Länge: 3:16 Min.]
Gas-Knappheit bedroht Einäscherungen im Saarland

Kosten für Gas werden im nächsten Jahr enorm steigen

Uwe Kunzler blickt wenig optimistisch auf das nächste Jahr: "Wir haben das Glück gehabt, dass wir in diesem Jahr noch einen alten Gasvertrag haben. Wir müssen für das nächste Jahr neue Verträge abschließen und wir rechnen mit dem Schlimmsten, also dem vier- bis fünffachen der bisherigen Preise". Inwieweit diese Preissteigerungen an die Kunden weiter gegeben werden müssen, könne man noch nicht abschätzen.

Energie sparen, wo es geht

Im Völklinger Krematorium versuche man zum Beispiel anderweitig Energie zu sparen. Dort habe man auf dem Flachdach eine sehr große Photovoltaik-Anlage installiert, um Strom einzusparen. Auch müssten die Anlagen technisch optimiert werden, um weniger Gas zu verbrauchen, sagt Kunzler.

Was passiert, wenn Gas ganz ausbleibt?

Knapp eine Million Menschen werden pro Jahr mittlerweile deutschlandweit feuerbestattet. Die Leichname werden in der Regel mit Gasfeuer eingeäschert. Sollte das Gas allerdings ganz ausbleiben, könnten keine Einäscherungen mehr durchgeführt werden.

Gas-Knappheit bedroht Einäscherungen
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger (c) SR, 25.05.2022, Länge: 04:01 Min.]
Gas-Knappheit bedroht Einäscherungen

Leichen könnten möglicherweise nicht mehr gekühlt werden

Die Folge wären wieder mehr sogenannte Körperbestattungen, was für viele Probleme sorgen könnte, warnt Kunzler.

Es gehe nicht nur um die fehlende Energie für die Einäscherungen. Auch logistische und hygienische Probleme stünden dabei im Raum: die Kühlkapazitäten der Särge und Leichen beispielsweise würden sehr schnell ausgereizt werden, gibt Uwe Kunzler zu bedenken. Die Leichen könnten dann nicht mehr gelagert werden.

Hier müsse man schnell umdenken. Deshalb seien auch der Bundeswirtschaftsminister und die Wirtschaftsminister der Länder in einem Schreiben schon auf die vielfältigen Probleme aufmerksam gemacht worden.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 25.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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