Foto: picture alliance / dpa

Der Fernseh-Hit (fast) von der Saar

Katja Preißner / Onlinefassung: Axel Wagner   18.01.2019 | 06:00 Uhr

Heute vor 50 Jahren startete die ZDF-Hitparade – mit viel saarländischer Beteiligung, und das blieb so bis zum Ende. SR3-Kollegin Katja Preißner hat im Archiv gewühlt und Zeugen befragt.

„1963 kann es gewesen sein, kam vom ZDF die erste Anfrage“, erinnert sich Roma Branss, Frau von SR-Fernsehregisseur Truck Branss. „Sie wollten ihn unbedingt zum ZDF holen, und da kam unser Intendant, Dr. Mai, mit einem Riesen-Blumenstrauß und hat gesagt: Sie müssen alles tun, aber Ihr Mann darf nicht weggehen.“

Dicht am Künstler

„Ich wollte die Menschen ganz dicht an den Künstler bringen“, sagte Regisseur Truck Branss in einem Interview. „Die Hitparade habe ich nachher genauso entwickelt, mit dem Publikum ringsum und dicht am Künstler dran. Das war diese Arena-Form.“

Branss war viel mehr als der Mann in der Regie: Schon vor der ZDF-Hitparade tüftelte er als Showregisseur in den 60ern beim Saarländischen Rundfunk technische Sensationen aus.

Eine davon wurde zum Markenzeichen der Hitparade: der Livegesang. „Das war bis zu dem Zeitpunkt nicht üblich“, weiß Petra Stein, langjährige Assistentin Branss‘, die das Geheimnis kennt. „Wir haben Arenas in die Fernsehstudios von unseren Architekten bauen lassen. Die Arenas wurden mit Menschen vollgestopft, und so hatten die Künstler einen Background. Die konnten also live singen, und es gab viele ARD-Einheiten, die nach Saarbrücken gekommen sind und sagten: ‚Wie macht Ihr das, wir arbeiten immer mit Playback?!‘ Das ging eben, weil: den Resonanzboden hat das Publikum gestellt.“ Die SR-Sendung mit der Arena und dem Livegesang war die Gilbert Bécaud-Show.

ARD hatte abgelehnt

Branss blieb beim Saarländischen Rundfunk. Die ZDF-Hitparade machte er neun Jahre später einfach zusätzlich, und er brachte neben den Stahlrohrtribünen mit dem Industrial Chic auch ein weiteres Aushängeschild des SR mit zum ZDF: Dieter Thomas Heck.

Die Radio-Schlagerparade Hecks hatte Branss erst auf die Idee mit der Fernseh-Hitparade. Die ARD lehnte ab, aber das ZDF war interessiert, so Roma Branss. „Dann ist mein Mann mit dem Exposé und mit Fotos von Dieter nach Mainz gefahren, und da haben wir einen super Abend verbracht, haben mit Dr. van Oepen zusammen gesessen. Und der sagte: ‚Was, den willst Du mir hier unterjubeln?‘ Dann hat mein Mann den Heck aber durchgedrückt.“ Danach, erinnert sich Branss, habe ein ZDF-Verantwortlicher ihnen gesagt: „Okay, wir lassen ihn drei Sendungen machen, und dann hat sich das Ganze sowieso erledigt.“ Aus den drei wurden 368.

Auch während der Hitparaden-Zeit blieben alle drei noch lange beim SR: Dieter Thomas Heck, Petra Stein und Truck Branss. Dass Letzterer die Schlager so leidenschaftlich liebte wie der Mann am Mikro, konnte man allerdings ausschließen. Roma Branns: „Mein Mann war absoluter Jazzfan. Nur Jazz.“

Rekord aus dem Saarland

Das erste gesungene Lied in der ZDF-Hitparade war „Rot ist die Liebe“ von Anna-Lena. Das meistgesungene aber war ein völlig anderes: das „Lied der Schlümpfe“. Achtmal dabei, sechsmal Platz eins. Da „schlumpfte“ auch die Kasse: Eine Wiederwahl in der Hitparade bedeuteten zu dieser Zeit mindestens 50.000 verkaufte Singles, erinnert sich Petra Stein, damals Assistentin von Truck Branss.

„‚Hier ist Berlin‘ – das war als Kind schon der große Wunsch, dorthin zu kommen“, sagt Rekordsiegerin Nicole. „Und ich war dann diejenige, die 17-mal den Sieg nach Hause geholt hat.“ So auch die letzte Ausgabe im Jahr 2000. „Die allerletzte Hitparade, die musste ich einfach gewinnen.“

Über dieses Thema wurde auch in SR 3 Guten Morgen vom 18.01.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen