Probenaufnahmen zu "Der Besuch der alten Dame" am Saarlädnsiches Staatstheater (Foto: Martin Kaufhold / SST)

Der "Besuch der alten Dame" im Staatstheater Saarbrücken

mit Informationen von Barbara Grech   20.09.2021 | 09:40 Uhr

Es ist ein Klassiker deutscher Schauspielkunst, das Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Vor über 60 Jahren uraufgeführt ist die Geschichte um die Protagonistin Claire Zachanassian von zeitloser Aktualität. Regisseur Gustav Rueb hat das Stück ins Saarland verpflanzt, mit Dialekt und saarländischen Bezügen.

Der "Besuch der alten Dame" im Staatstheater Saarbrücken
Audio [SR 3, Barbara Grech, 20.09.2021, Länge: 03:15 Min.]
Der "Besuch der alten Dame" im Staatstheater Saarbrücken

Mit dem Hubschrauber "landet" die alte Dame und wird von Intendant Bodo Busse persönlich abgeholt, der den Chauffeur mimt. Es wird auch "Mir sinn Saarbrigger" gesungen.

Damit beginnt die Geschichte: Die Multi-Milliardärin Claire Zachanassian kommt zurück in ihre Heimat-Stadt, in diesem Fall nach Saarbrücken. Früher war sie ein einfaches Mädchen namens Kläri Wäscher und verliebt in Alfred Il. Damals schwängerte Il Clara und verweigerte die Anerkennung des Kindes. Clara musste fort, sich prostituieren, um dann einen Milliardär zu ehelichen. Il versumpfte in der Stadt und die Stadt ging pleite. Die Verantwortlichen setzen nun alles auf Clara. Sie soll mit ihren Milliarden die Stadt retten. Doch die stellt eine Bedingung: zehn Milliarden für Gerechtigkeit.

Erst kommt das Geld, dann die Moral

Für SR-Kulturreporterin Barbara Grech wirkt die Aufführung so, als traue Regisseur Gustav Rueb dem Stück von Dürrenmatt nicht so richtig. Als müsse er betonen, dass "Der Besuch der alten Dame" keinen Staub angesetzt hat, dass Dürrenmatts Thema bis heute Gültigkeit hat. Grob gesagt, geht es um die Aussage: "Erst kommt das Geld, dann die Moral" und um die Fragen: Ist Gerechtigkeit käuflich? Steht das Leben und Wohl eines Einzelnen vor der dem Wohlergehen der Allgemeinheit? Und: ist Rache legitim?

Gustav Rueb jedenfalls, so Grech, nutzt die Geschichte, um die Main-Stream-Kritik bunt und plakativ auf die Bühne zu bringen. Der Tanz ums goldene Kalb wird zum Tanz ums goldene Auto. Dazu Konsum- und Kapitalismus-Kritik, ein bisschen Gender, politische Korrektheit bunt verpackt.

"Schrilles Theaterfirlefanz"

Das Fazit von Barbara Grech: "Sterbenslangweilig, weil gewöhnlich. Dazu geradezu anbiedernde Verweise auf die regionalen Begebenheiten. Das an und für sich qualitätvolle Stück, die klaren Dialoge und kritischen Fragen, die Dürrenmatt da aufwirft, werden zugeschüttet von schrillem Theaterfirlefanz."

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 20.09.2021 berichtet.

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