Filmszene: Die Kunst der Stille (Foto: W-film / Raphael Beinder (Beauvoir Films))

"Die Kunst der Stille"

Barbara Grech   18.01.2022 | 13:00 Uhr

Ein weiß geschminktes Gesicht, ein Ringelshirt und ein Ofenrohrhut. Mit seiner Pantomime-Kunst verzauberte Marcel Marceau sein Publikum rund um die Welt. 2007 verstarb der berühmte Pantomime. Der Schweizer Dokumentarfilmer Maurizius Staerkle Drux hat einen Dokumentar-Film über Marcel Marceau gedreht, und Seiten an ihm entdeckt, die bislang wenig bekannt waren. "Die Kunst der Stille", läuft im Dokumentarfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis.

Pantomine ist eine universelle Sprache. Gesten, Humor die jeder versteht. Das war die Botschaft, die der berühmte Pantomime Marcel Marceau dem deutschen Publikum, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, mit auf den Weg gegeben hat.

Dem Land, das seinen Vater in Ausschwitz ermordete. Marcel Marceau war jüdischer Herkunft, was vermutlich viele nicht wissen.

Max Ophüls Preis 2022: "Die Kunst der Stille"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 18.01.2022, Länge: 03:06 Min.]
Max Ophüls Preis 2022: "Die Kunst der Stille"

Persönliches und ein Zufall

Das der Schweizer Dokumentarfilmer Maurizius Staerkle Drux einen Film über Marcel Marceau gedreht hat, der immerhin bereits vor 14 Jahren gestorben ist, hat mit seinem persönlichen Umfeld und Zufällen zu tun.

Maurizius Staerkle-Drux (Foto: Pressefoto)
Maurizius Staerkle-Drux

Sein Vater, der gehörlos sei, habe für sich durch die Pantomime ein Sprachrohr gefunden, sagt Staerkle Drux . Und als er in New York gewesen sei, habe er eine ältere jüdische Dame kennengelernt, die ihm erzählt habe, dass ein Pantomime ihr das Leben gerettet habe. "Sie hat über Marcel Marceau gesprochen und das hat mich sehr, sehr neugierig gemacht", so der Filmemacher.

Marcel Marceau - ein Fluchthelfer

Was viele nämlich nicht wissen: Als junger Mann hat Marcel Marceau zusammen mit seinem Cousin jüdische Kinder im von den Nazis besetzten Frankreich in die Schweiz geschmuggelt.

Marcel Marceau hatte sich um die Kinder gekümmert "und ich glaube, da sind auch seine ersten Pantomimen entstanden", sagt Staerkle Drux. Im Film ist dann auch eine Szene zu sehen, in der plötzlich Nazis in dem Zug auftauchten, in dem die Kinder in die Schweiz gebracht wurden. Es ging dann zum Glück gut aus - für die Kinder und für Marcel Marceau.

Doch, so die Botschaft des Films: Diese Ereignisse haben Marcel Marceau geprägt. "Eine andere Identität spielen als die, die man ist, dabei lachen und ausgelassen sein" - das sei tief in ihm verankert gewesen. Und das sei es schlussendlich auch gewesen, was ihn zum großen Star werden ließ, so Staerkle Drux .


Dossier


16. bis 26. Januar
Das Filmfestival Max Ophüls Preis 2022
Die 43. Ausgabe das Filmfestivals Max Ophüls Preis findet vom 16. bis 26. Januar 2022 in und um Saarbrücken statt - wegen Corona setzt das Team diesmal auf eine hybride Form und deutlich mehr Festivaltage. Ein Dossier.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 18.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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