Anthologie: Literatur in und aus der Corona-Krise  (Foto: Best)

Ein Buch in der Krise über die Krise

Ulli Wagner / Onlinefassung: Axel Wagner   15.04.2020 | 17:04 Uhr

Seit einem Monat sind bei uns die Buchhandlungen zu, Autorinnen und Autoren sitzen auf dem Trockenen, kleine Lesungen und ganze Festivals wurden abgesagt. Und die Verlage bringen ihre Bücher nicht an den Mann und die Frau. Was machen die dann eigentlich in dieser Corona-Zeit? Ein Corona-Buch rausbringen! Und zwar ein ganz Besonderes.

Druckfrisch ist es, dieses Buch, dem der Virus den Namen gegeben hat: „Literatur in und aus der Corona-Krise“. Und es ist typisch saarländisch entstanden – als der Autor Jan Hemmer mit dem Verleger Claus Kuhn chattete: „Der hat mir ein Gedicht geschickt, das heißt ‚Auf lange Distanz‘, und da ist mir dann die Idee gekommen. Da habe ich gedacht: Mensch, man müsste jetzt mal über Corona ein Buch herausbringen.“

17 Autoren sind dabei

Und zwar eines in der Krise über die Krise, und Verleger Claus Kuhn fragte sich, was Autorinnen und Autoren in der Zeit so durch den Kopf geht. „Wie verarbeiten die das? Was fangen die da mit sich an? Hat das vielleicht irgendeinen Effekt auf ihr Schreiben?“

17 Autoren sind es insgesamt geworden, die zu dieser Anthologie beigetragen haben, von B wie Klaus Brabänder bis Z wie Albrecht Zutter. Aber nicht jeder hat gleich begeistert zugesagt. „Nein“, gibt Klaus Brabänder zu, der kurz vor dem Shutdown noch die Premierenlesung für seinen neuesten Krimi „AraBella“ hatte. „Ich habe gedacht: Och nee, Corona. Ich kann’s nicht mehr hören.“

Mehr als Corona

Dabei geht es längst nicht nur um Corona in diesem Buch, dem die Krise den Namen gegeben hat. Da gibt es viele Gedichte, nicht nur von Jan Hemmer. Es gibt Grafiken oder auch Kindheitserinnerung über Dosenrennen von Reinhard Klimmt und eben den Beitrag, den Klaus Brabänder dann doch geleistet hat, nach dem Motto: „Corona muss ja jetzt nicht unbedingt heißen, dass man die Welt untergehen lässt in dem, was man schreibt, sondern: Finde doch mal für Dich selbst heraus, was Du so als Verrücktheit in dieser Zeit erlebst.“

Es gibt manches zum Schmunzeln in diesem besonderen Buch aus dem Saarland, aber vieles ist und macht auch sehr nachdenklich – wie etwa das Corona-Tagebuch des Wolfgang Brenner, des bekannten Autors aus dem Saarland, der mit seiner Familie meist in Berlin lebt.

Freitag, der 13.3.20. Meinem Vater geht es immer schlechter. Trotzdem will er nach Hause. Er fleht meinen Bruder an, ihn mitzunehmen. Der beruhigt ihn mit einem simplen Argument: „Draußen ist Corona, die Welt geht unter, hier drinnen bist du sicher.“

Aber in Corona-Zeiten ist es für Ältere nirgendwo sicher – das erlebt Wolfgang Brenner, der es gerade noch rechtzeitig in die Uniklinik nach Homburg schafft.

Am Samstag, dem 21. März 2020, stirbt mein Vater. Er wurde 87 Jahre alt.

Entstehung in Rekordzeit

Selten ist ein Buch so schnell entstanden wie „Literatur in und aus der Corona-Krise“. Einen Monat, nach dem hier im Land der Shutdown verkündet wurde, liegt es schon gedruckt vor und ist auf dem Weg zu denen, für die es letztendlich gemacht wurde: die Buchhandlungen. Die sollen laut Verleger Kuhn nämlich den kompletten Gewinn erhalten, der ansonsten mit Verlagen und Autoren geteilt wird.

Die Buchhandlungen zahlen nämlich nur die reinen Druckkosten und weil dieses Corona-Buch aus dem Saarland zwar online bestellt werden kann, aber nur über den Buchhandel ausgeliefert wird, hat der auch wirklich etwas davon. Und auch darüber freuen sich Verleger und Autoren, sagt Klaus Brabänder. „Ich fand die Idee gut, das so zu handhaben. Die Resonanz war durchweg positiv. Und jetzt freue ich mich darauf, wenn ich das Buch in der Hand habe.“

Literatur in und aus der Corona-Krise, Bestverlag Saarbrücken, ISBN 978-3-947822-20-1, 14,90 Euro.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 15.04.2020 berichtet.

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