Kultur in Bit und Byte (Foto: Pixabay/mohamed_hassan)

Mit Onlineprojekten die Kultur am Leben erhalten

Gerd Heger   26.03.2020 | 16:45 Uhr

Künstler brauchen die Öffentlichkeit. In Zeiten von Corona gibt es für sie aber keine Auftrittsmöglichkeiten mehr - es sei denn im Internet. Mehrere Initiativen im Saarland versuchen, mit Onlineprojekten die Kultur am Leben zu halten. Drei saarländische Beispiele.

Intensivtheater setzt auf Crowdfunding

Künstler starten Selbsthilfe-Initiativen
Audio [SR 3, (c) SR, 26.03.2020, Länge: 03:15 Min.]
Künstler starten Selbsthilfe-Initiativen

Sie haben spektakuläre Musicalprojekte im Saarland auf die Beine gestellt, die Leute vom Intensivtheater. Jetzt, da alle Aufführungen weggebrochen sind, bleibt nur das Internet. Tim Ganter, einer der Mitbegründer des Intensivtheaters, hat ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. Sie suchen finanzielle Unterstützer "um so das Intensivtheater bis zum Sommer über Wasser zu halten", sagt Ganter. Gut 20 Personen hätten bereits gespendet, knapp 1000 Euro seien bisher zusammen gekommen. Bis zum großen Ziel - rund 25.000 Euro - sei es allerdings noch ein weiter Weg, so Ganter. Im April soll dann die Aufführung im Netz stattfinden, natürlich nur, wenn geprobt werden kann.

Initiative Lichtweg.de

Einfach nur aufmerksam machen auf die Notlage der Künstlerinnen und Künstler will Lichtweg.de. Die Initiative bietet eigentlich Hilfsangebot zum Thema „sexueller Missbrauch“ an. Auch im Saarland helfen Menschen dieser deutschlandweiten Initiative. Zu den Angeboten gehören aber auch Streaming-Konzerte. So gab letztes Jahr ein vielbeachtetes Konzert in der Sulzbacher Aula. Jetzt nehmen die damals beteiligten Künstlerinnen Videos auf – von Tom und Sue Lehmann über Elmar Federkeil bis hin zur Familie Adam. Diese werden von Lichtweg am Sonntag auf Facebook veröffentlicht.

Horst Friedrich von der Band „Simply Unplugged“ 

Horst Friedrich von der Band „Simply Unplugged“ ruft Künstler, Techniker, Veranstalter und Agenturen auf, sich zusammen zu tun. Über eine Crowdfunding-Plattform und über eine eigene Internetseite will er die Aktivitäten bündeln. Auch hier sollen Videoauftritte Spenden generieren. Die Kunst hat eine wichtige Rolle zu spielen in der Krise, davon ist Friedrich überzeugt. "Ich glaube, dass in der jetzigen Zeit viele Zuschauer darauf warten. Niemand weiß, wie es weiter geht und da kann Musik oder irgend eine andere Kunst sehr, sehr hilfreich sein."

Viel Engagment, aber es wird nicht reichen

Drei von inzwischen zahlreichen Versuchen, die Kultur am Leben zu halten. Doch nüchtern betrachtet wird das nicht reichen. Der saarländische Poprat hat inzwischen gefordert, einen Landeskoordinator zu bestellen, der solche Initiativen bündelt – und die Interessen der Musiker und Veranstalter gegenüber der Landesregierung vertritt. Eine Forderung, die bisher hoch nicht auf Gehör gestoßen ist. Und so bleibt den Künstlerinnen und Künstlern aktuell nur ihr Publikum: Das spendet, ihre CDs bestellt, Internetauftritte anschaut – und damit zurück gibt, was viele von ihnen uns mit ihrer Musik geschenkt haben: Lebensfreude.  

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 26.03.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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