Der Streit – Komödie nach Marivaux (Foto: SST/Astrid Karger)

"Der Streit" am SST

Barbara Grech   04.11.2018 | 12:31 Uhr

Wer war zuerst untreu: der Mann oder die Frau? Wer ist zu echter Liebe fähig: der Mann oder die Frau? Das sind die Ausgangsfragen mit der sich die Komödie "Der Streit" des französischen Dichters Pierre Carlet de Marivaux beschäftigt. Ein Klassiker der französischen Bühnenkunst. Gestern Abend war Premiere von "Der Streit" in der Alten Feuerwache in Saarbrücken. Eine Kritik.

Ja sicher, man kann herzhaft lachen, sich saftig amüsieren in der Komödie „Der Streit“ von Marivaux. Jede Menge Slapsticks in der Inszenierung von Matthias Rippert und ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble sorgen dafür. Aber hinter all der Komik blitzt immer wieder die Tragödie hervor, die die Liebe zwischen zwei Menschen so mit sich bringt.

Premierenkritik: "Der Streit"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 04.11.2018, Länge: 02:39 Min.]
Premierenkritik: "Der Streit"

Die Ausgangslage? Ein eingespieltes Liebespaar: der Prinz und seine Hermiane beginnen einen Streit – der Titel des Stückes ist Programm. Wer hat also die Untreue für sich gepachtet: der Mann oder die Frau? Antwort soll ein Experiment, ein Laborversuch geben. Vier junge Menschen, zwei Frauen und zwei Männer sind völlig isoliert, einzeln aufgezogen worden - und begegnen sich nun zum ersten Mal. Hält die ehrliche, naive, herzensgute Liebe zwischen Eglé und Azor oder kommt das andere Pärchen, Mesrou und Carise zwischen diese Liebe? Wir ahnen wie es ausgeht: die Liebe gerät ins Wanken, wenn man die Auswahl hat.

Inszenierung als abstrakte Groteske

Matthias Rippert inszeniert diese klassische, französische Komödie als abstrakte Groteske. Im futuristisch-kargen Bühnenbild von Fabian Liszt dürfen nur der Prinz und seine Gespielin in angegammelten Rokoko-Kostümen samt staubiger Perücken herumtoben. Ansonsten: wildes Durcheinander. Männer spielen die Frauen und umgekehrt. Die Bühne eine Mischung aus Fahrstuhl à la Raumschiff Enterprise und Mäuselabor.

So wird aus dieser Inszenierung eine Komödie mit äußerst bitterem Beigeschmack. Denn – so könnte das Fazit lauten: Die Liebe ist eine äußerst egoistische Angelegenheit. Man liebt vor allem sich selbst – und will dies von seinem Partner lediglich gespiegelt sehen. Darüber kann man nun sinnieren und grübeln oder eben sich einfach amüsieren und herzhaft lachen.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Sonntag vom 04.11.2018 berichtet

Artikel mit anderen teilen