Der Pingusson-Bau in Saarbrücken. (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Zehn Jahre Stillstand beim Pingusson-Bau

Barbara Grech   08.08.2019 | 09:00 Uhr

Mitten in Saarbrücken, an der Stadtautobahn, steht das ehemalige Kultusministerium. Obwohl der sogenannte Pingusson-Bau als früherer Sitz der französischen Vertretung im Saarland historisch bedeutsam und obwohl er ein architektonisches Denkmal der französischen Moderne ist, verfällt das Gebäude langsam, aber sicher. Der Pingusson-Bau wurde und wird sträflich vernachlässigt und von der Regierung links liegen gelassen, sagt SR-Kulturreporterin Barbara Grech.

Kommentar: "Von Regierung zu Regierung weitergereicht wie eine heiße Kartoffel"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 08.08.2019, Länge: 02:06 Min.]
Kommentar: "Von Regierung zu Regierung weitergereicht wie eine heiße Kartoffel"

Zehn lange Jahre ist es her, da habe ich die damalige Staatssekretärin im Kultusministerium, Susannne Reichrath, gefragt, wie lange man die Renovierung des Pingusson-Gebäudes noch aufschieben könne. Ihre Antwort: "Man wird es nicht lange schieben können. Jede Winterperiode gereicht dem Gebäude zum Schaden."

Wohlbemerkt: Das war 2009. Seitdem ist so gut wie nichts geschehen. Wenn man von Bauminister Boullion mal absieht, ist aber doch so einigen Mitgliedern der Regierung durchaus klar, dass es hier nicht um irgendein Gebäude von irgendeinem französischen Nachkriegsarchitekten geht. "Dieses Haus ist der Sitz des französischen Gouverneurs Grandval - also historisch gesehen ein sehr wichtiges Gebäude - auch für die Geschichte dieses Landes", so Reichrath. Aber auch architektonisch sei das Gebäude bedeutend. "Es ist klassischer, französischer Bauhaus und insofern auch wertvoll."

Wertvoll – aber der saarländischen Landesregierung offensichtlich zu teuer! Seit einer ganzen Dekade wird die Renovierung des Pingusson-Gebäudes von Regierung zu Regierung weitergereicht wie eine heiße Kartoffel.

Hätte man die Renovierung vor zehn Jahren noch für rund 35 Millionen haben können, beläuft sich die Summe nach jahrelangem Nichtstun nun offensichtlich auf rund 53 Millionen Euro. Dazwischen hat man sich die Zeit mit einer endlosen Reihe von Gutachten vertrieben - um sich angeblich Klarheit zu verschaffen.

Inzwischen hat man über 1,7 Millionen Euro in Gutachten versenkt und ist offensichtlich immer noch nicht klüger. Und so verfällt das Pingusson-Gebäude weiterhin. Fast könnte man meinen, die Landesregierung hofft darauf, dass das schmale Handtuch dann doch endlich mal in sich zusammenfällt. Dann wäre die Sache vom Tisch…

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