Kommentar: "Nichts wäre enttäuschender als eine Jury, die nur als politisches Feigenblatt dient"

"Nichts wäre enttäuschender als eine Jury, die nur als politisches Feigenblatt dient"

Johannes Kloth   12.03.2019 | 16:30 Uhr

Im Saarland soll es ein neues Musikfestival geben. Es ist der Nachfolger für das eher bescheiden ausgefallene Festival "Colors of pop". Rund 800.000 Euro will das Land für das neue Festival zur Verfügung stellen. Start soll im Herbst 2020 sein. Zuständig für das Festival: eine fünfköpfige Jury, die auch den neuen Leiter des Musikfestivals auswählen soll. Dazu ein Kommentar von SR-Kulturreporter Johannes Kloth.

Ist es ein Zeichen eigener Ideenlosigkeit, wenn ein Kulturminister die Entscheidung, wie das mutmaßlich bald größte mit Landesmitteln geförderte Musikfestival aussehen soll, an eine Jury vergibt? Man könnte so argumentieren. Es spricht aber vieles dafür, dass Commerçons Vorgehen richtig ist.

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem Festival „Colors of Pop“, das man in Hände von Thilo Ziegler, einem kommerziellen Pop-Konzertveranstalter, gelegt hatte, will man nun im Ministerium auf Nummer sicher gehen: Eine Experten-Jury soll einen echten Neustart in Sachen Musikfestival-Förderung garantieren.

Musik im Saarland
Auf der Suche nach dem perfekten Festival-Konzept
Die Landesregierung will ein neues Musikfestival ins Leben rufen. Für das neue Festival ab 2020 soll daher nun eine Jury über ein geeignetes Konzept und die künstlerische Leitung entscheiden. Die hat nun zum ersten Mal getagt, um über die Grundpfeiler der Ausschreibung zu beraten. Johannes Kloth konnte mit den Juroren am Rande dieses ersten Kennenlerntreffens bereits über das Vorhaben sprechen.

Wer befürchtet hatte, die Jury werde aus Leuten bestehen, die mit der saarländischen Szene so verflochten sind, dass objektive Urteile nicht möglich sind, der dürfte überrascht sein: Da sitzt nun jemand wie Sebastian Nordmann, der Intendant des Berliner Konzerthaus, in der Jury. Er hat eindrucksvoll in Berlin bewiesen, wie man junges Publikum für Klassik begeistert. Auch die anderen Juroren bringen Fachwissen und größtenteils einen komplett unvoreingenommen Blick von außen mit – und das ist gut so!

Spricht man mit ihnen, wird deutlich: Ihnen geht es wirklich um neue, frische, innovative Ansätze. Das schließt zum Glück keinen möglichen Bewerber aus der Region aus. Aber umgekehrt gilt eben: Nur weil jemand im Land gut vernetzt ist, hat er noch lange kein überzeugendes Konzept - und nur darum geht es.

Rund 800.000 Euro Etat, das ist in einem Land wie dem Saarland eine große Summe zur Grundfinanzierung eines Musik-Festivals. Die will gut investiert sein. Die neue Jury bietet eine große Chance, ein wirklich überzeugendes Konzept und eine geeignete Person an der Festival-Spitze zu finden. Die Voraussetzung natürlich: man lässt sie gänzlich frei arbeiten. Nichts wäre enttäuschender als eine Jury, die nur als politisches Feigenblatt dient.  

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 12.03.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja