Die Modere Galerie mit den Museumsanbau, dem Vierten Pavillon, Saarbrücken (Foto: Alexander M. Groß)

„Irgendwann ist der Neuheits-Bonus eines Museums aufgebraucht“

Ein Kommentar von Barbara Grech   16.11.2018 | 16:25 Uhr

Vor knapp einem Jahr ist der Erweiterungsbau der Modernen Galerie in Saarbrücken - der berühmte "Vierte Pavillon" - eröffnet worden. Nach Jahren voller Pleiten, Pech und Pannen: Chaos in der Bauplanung, explodierende Kosten und ein wegen Geldverschwendung geschasster Museumsdirektor. Nun ist das neue Museum tatsächlich zu neuem Leben erwacht und wird von der Bevölkerung auch angenommen. Also alles ein großer Erfolg? Dazu ein Kommentar von SR-Reporterin Barbara Grech.

Barbara Grech (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Barbara Grech
Kommentar: „Irgendwann ist der Neuheits-Bonus eines Museums aufgebraucht“
Audio [SR 3, Barbara Grech, 16.11.2018, Länge: 02:16 Min.]
Kommentar: „Irgendwann ist der Neuheits-Bonus eines Museums aufgebraucht“

Es war wie ein Befreiungsschlag für die saarländische Kulturszene, als vor einem Jahr die neue moderne Galerie wieder eröffnet wurde. Und ja – Stiftungsdirektor Roland Mönig hat dafür gesorgt, dass das von Skandalen gebeutelte Haus wieder in ruhiges Fahrwasser gekommen ist und mit einer reibungslosen Eröffnung den Saarländerinnen und Saarländern ein ordentliches Kunstmuseum zur Verfügung steht.

Museum wird angenommen

Tatsächlich nehmen die Bürger ihr Museum auch an und gehen hin. Das war die Jahre davor nicht so. Mit der Knall- und Glitzerkunst von Pae Wight konnten sich auch Besucher identifizieren, die sonst wenig mit bildender Kunst am Hut haben.

„Nicht der große Wurf“

Und der berühmt-berüchtigte „Vierte Pavillon“? Seit der Wiedereröffnung wird er nur noch Museumsanbau genannt. Sagen wir es mal so: Man hat funktionierende Museumsräume daraus gemacht. Mehr aber auch nicht. Dass das neue Museumsgebäude nicht der große Wurf ist, steht außer Frage. Auch die von den Architekten versprochene Piazza ist in Wahrheit eher ein kahler Platz. Gemütlichkeit geht anders. Da muss dringend nachgebessert werden, dass man im schönen Ambiente seinen Kaffee auch wirklich auf einer Piazza genießen kann.

„Die Sammlung hat nun endlich Platz.“

Und was ist mit dem Innenleben des Museums: Es ist tatsächlich dynamischer geworden. Die Sammlung hat nun endlich Platz. Die Ausstellungen finden nicht immer im ein und demselben Pavillon statt. Kurz: Das Museum ist lebendiger geworden.

„Wenig, was einen vom Hocker gerissen hätte“

Was die Ausstellungen selbst angeht: Mit dem Programm, das Roland Mönig und seine Truppe bislang aufgestellt haben, kann man durchaus hadern. Von der Slevogt-Ausstellungen einmal abgesehen, die zum Jubiläumsjahr auf der Hand lag,  gab es wenig, was einem vom Hocker gerissen hätte. Ich sage immer: Das sind alles Ausstellungen, die man auch machen kann – aber eben nicht nur.

Und ich rede jetzt nicht von irgendwelchen Gassenhauern a la Picasso oder Chagall. Was fehlt sind Kunstausstellungen, die ein interessantes Thema oder eben einen außergewöhnlichen Künstler zeigen. Neue Ansätze. Gerne auch mal ordentlich Avantgarde. Themen, – gesellschaftlich oder ästhetisch- die momentan virulent sind.

„Mit Inhalten die Menschen ins Museum locken“

In der modernen Galerie aber wird bislang kunsthistorischer Durchschnitt gezeigt. Brav, ordentlich, so gut wie nie spannend, ungewöhnlich oder neu. Da dürfen Roland Mönig und sein Team gerne noch ein paar Schippen drauflegen. Irgendwann ist nämlich der Neuheits-Bonus eines Museums aufgebraucht. Und dann kommt’s wieder drauf an, mit Inhalten die Menschen ins Museum zu locken.


Hintergrund

Saarbrücken
Ein Jahr "Vierter Pavillon"
Am 18. November wird der "Vierte Pavillon", der Museumsanbau der Modernen Galerie des Saarlandmuseums, ein Jahr alt. Heftig umstritten, am Ende viel zu teuer, das waren damals die Schlagzeilen. Inzwischen ist die Moderne Galerie in den Regelbetrieb übergegangen. Zum Jubiläum war SR-Reporter Michael Schneider dort und wollte wissen: Hat sich die ganze Sache gelohnt?

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 16.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle.

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