Arno Strobel zu Gast im Studio (Foto: SR/Ulli Wagner)

"Er ist definitiv der Meister des Plot-Twists"

Interview mit Arno Strobel über Sebastian Fitzek

Interview: Michael Friemel   13.10.2021 | 09:21 Uhr

Sebastian Fitzek gehört zu den ganz Großen in der Psychothriller-Literatur. Am 13. Oktober feiert er seinen 50. Geburtstag. Einer, der ihn sehr gut kennt, ist der saarländische Autor Arno Strobel. Im SR-Interview erzählt er, was Fitzek so besonders macht und warum er ein so geschätzter Kollege ist.

"Das Besondere an Sebastian Fitzek ist Diskrepanz zwischen dem wie er ist und dem was er schreibt."
Audio [SR 3, (c) SR/Michael Friemel, 13.10.2021, Länge: 03:23 Min.]
"Das Besondere an Sebastian Fitzek ist Diskrepanz zwischen dem wie er ist und dem was er schreibt."
Das Interview mit Arno Strobel

"Die Therapie" war der Startschuss, der erste Psychothriller von Sebastian Fitzek. Und viele weitere folgten: "Amokspiel", "Das Geschenk", "Noah", "Das Joshua-Profil" - um nur einige zu nennen. Und alles Bestseller. Etliche Romane wurden zudem verfilmt. Sebastian Fitzek ist also ein echter Star, ein Literaturstar. Am 13. Oktober 2021 feiert er seinen 50. Geburtstag.

Einer der ihn sehr gut kennt, auch persönlich, ist ein Kollege von ihm: der Saarländer Arno Stobel.

Arno Strobel: "Wir kennen uns schon seit vielen, vielen Jahren. Was aber auch normal ist. Man trifft sich immer wieder bei Festivals oder auf Messen und meistens ist man sich unter Autoren sympatisch, das hab ich festgestellt.

SR: Keine Konkurrenz?

Arno Strobel: Überhaupt nicht. Wir klauen uns ja keine Leserinnen und Leser gegenseitig, sondern wir bringen uns gegenseitig Leserinnen und Leser.

SR: Was ist Sebastian Fitzek für ein Typ?

Arno Strobel: Ich glaube, was Sebastian ausmacht und was ist das Besondere an ihm ist, ist tatsächlich die Diskrepanz zwischen dem, wie er rüberkommt als Mensch und dem, was er schreibt. Sebastian ist Schwiegermamas Liebling. Er kommt mit einer fast schüchternen Höflichkeit daher, ist unglaublich nett und zuvorkommend und freundlich - und dann schreibt er solche Bücher. Ich glaube, das macht diese Faszination an ihm aus.

SR: Ist Fitzek durch den Erfolg seiner Romane nun auch zum reichen Mann geworden?

Arno Strobel: Ich würde sagen, Sebastian geht es definitiv gut. Er kann sehr, sehr gut leben von dem, was er tut. Und das ist ja auch in Ordnung. Ich meine, er hat ja auch den entsprechenden Erfolg. Und er hat was dafür getan.

SR: Ich habe Eindruck, das er trotzdem nach wie vor bescheiden geblieben ist. Aber wie sieht es mit seinen Schwächen aus? Gibt er Schwächen zu?

Arno Strobel: Sebastian gibt eine Schwäche zu - und da sind wir uns sehr, sehr ähnlich - Sebastian gibt zu, dass er ein Angsthase ist. Und das ist bei mir ganz genauso in verschiedenen Situationen. Aber ich denke, dass ist auch wichtig. Wenn man Psychothriller schreibt und spielt mit der Angst von Menschen, muss man selbst die Angst kennen, um sie beschreiben zu können. Also von daher passt das.

SR: Vor was habt ihr denn Angst?

Arno Strobel: Ach, vor allem Möglichen. Also ich zum Beispiel, wenn ich nachts durch einen dunklen Wald laufe, dann drehe ich mich alle zwei Sekunden um. Das geb' ich ganz ehrlich zu. Da mag mancher Mann drüber lachen, aber das ist bei mir so. Aber wie gesagt, das ist für mich auch wichtig für meinen Job.

SR: Sebastian Fitzek lebt ja quasi vom Nervenkitzel. Was fasziniert euch beide so am Nervenkitzel? Warum entscheidet man sich für so ein Genre?

Arno Strobel: Ich glaube, es macht einfach die Faszination aus, vermeintlich sicher zuhause wohlig auf der Couch zu sitzen, in dem Bewusstsein oder in dem Glauben, es kann einem nichts passieren und dann über ganz furchtbare Dinge zu lesen, die anderen - in dem Fall sogar fiktiven Personen - passieren. Diese Fallhöhe zwischen der Realität und der Fiktion - ich glaube, das macht mit eine Art von Faszination aus. Und es ist mit Sicherheit auch an bisschen positiv besetzter Voyeurismus mit dabei.

SR: Gibt es einen handwerklichen Kniff, den sie besonders schätzen bei Sebastian Fitzek?

Arno Strobel: Ja, den zehnfachen Plot-Twist, den er immer wieder drin hat. Also immer dann, wenn man denkt: Okay, jetzt hat er mich zwei-, dreimal auflaufen lassen, jetzt weiß ich aber wirklich, wo es langgeht - dann kommt der nächste Twist und es ist noch mal alles anders. Also, da ist er definitiv der Meister drin. Ich glaube, da kann keiner von uns anderen Autorinnen und Autoren ihm das Wasser reichen.

SR: Was wünschen Sie Sebastian Fitzek denn zu seinem 50. Geburtstag?

Arno Strobel: Ich fange mal damit an: Ich wünsche uns allen, die ihn kennen, dass er genauso bleibt, wie er ist. Und ihm wünsche ich, dass sein Erfolg, den er hat, noch möglichst lange anhält. Und wie gesagt, er möge sich bitte nicht verändern.

Das Interview führte Michael Friemel


Audio

Aus dem Leben: Sebastian Fitzek
Audio [SR 3, (c) Uwe Jäger, 21.11.2018, Länge: 60 Min.]
Aus dem Leben: Sebastian Fitzek
Tiermedizin, Jura, Radiojournalismus – keines der drei Dinge konnte Sebastian Fitzek davon abhalten, der deutsche Psychothriller-Autor zu werden! „Die Therapie“, „Das Kind“ und „Das Joshua-Profil“ gehören zu seinen Bestsellern. Am 20. November war er zu Gast in der SR 3-Talksendung mit Moderator Uwe Jäger.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 13.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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