Quayola: "Remains", 2018 (Foto: Photo: © Quayola)

Ausstellung: "In transfer - a new condition"

Möllerei Belval - 03. September bis 27. November 2022

Barbara Grech   04.09.2022 | 13:00 Uhr

Eine Bar mit Erden aus aller Welt, die zum Essen da sind. Ein Kleid gewebt aus Proteinen von Quallen und Seidenraupen. Sieht so die Welt der Zukunft aus? Diese Frage stellt die neue Ausstellung im Kulturhauptstadtjahr von Esch-sur-Alzette: "In transfer - a new condition", also "In Bewegung - unter neuen Bedingungen".

Die Möllerei des ehemaligen Stahlwerks Belval. Früher lagerten hier die Rohstoffe Koks und Eisenerz, heute ist es eine Ausstellungshalle. Doch wer hier jetzt komplexe, zeitgenössische Kunstwerke erwartet, der wird enttäuscht. In der Möllerei haben sich die Kuratoren der "ars electronica" aus Linz, einem Kulturinstitut, das sich auf der Schnittstelle zwischen Zukunftstechnologie und Kunst bewegt, mal richtig ausgetobt.

Audio

Esch-sur-Alzette: "In transfer - a new condition"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 04.09.2022, Länge: 03:19 Min.]
Esch-sur-Alzette: "In transfer - a new condition"

Eine Entdeckungsreise mit allen Sinnen

Überall sind kleine Versuche aufgebaut, Schläuche allenthalben, Videos flimmern, es scheppert und klimpert, es gibt was zu riechen und zu schmecken. Man wolle die Neugierde bei den Besucherinnen und Besuchern wecken, sagt Laura Welzenbach, die Kuratorin dieser Ausstellung. "Es soll einfach ein Abenteuer sein, dass zum Erkunden einlädt." Es gehe darum, Dinge über die unterschiedlichen Sinne zu erfahren, sich damit auch mit Themen auseinander zu setzen, die man aus dieser Perspektive vielleicht so nicht kenne.

Erde zum essen

Masharu: "The Museum of Edible Earth", 2017-ongoing (Foto: © Ars Electronica)

Gleich am Eingang der Ausstellung hat ein Museum für essbare Erden aufgebaut. Wer will, kann probieren - auf eigene Gefahr. Erde zu essen wird nämlich von den Gesundheitsbehörden nicht empfohlen. Tut man es doch, schmeckt die Erde nach Sand, Milch und manchmal cremig. Damit will masharu darauf hinweisen, dass wir unsere Lebensgewohnheiten wohl werden umstellen müssen, um die Ressourcen zu schonen .

Es gehe darum, unsere Beziehung zu unserer Erde zu hinterfragen. "Sie ist die Grundlage für unser Menschsein", so masharu. "Warum also nicht Erde essen? Wir essen ja auch, was aus der Erde erwächst." Die Leute würden oft fragen, ob es auch wirklich gesund sei, Erde zu essen. Bei den Tomaten, die wir im Supermarkt kaufen, würde das keiner fragen.

Mal faszinierend, mal erschreckend

Another Farm: "Modified Paradise: Dress", 2018 (Foto: © Another Farm)

Es ist verstörend, teilweise schaurig, was da in der Möllerei auf Belval gezeigt wird. Lauter Forschungsprojekte - kunstartig inszeniert. Manches schreckt ab, manches fasziniert.

Wie beispielsweise das Kleid, das im Lagerkeller der Halle vor sich hin funkelt. Fast durchsichtig, glitzernd in Pastell-Farben. Es sei quasi ein Materialforschungsprojekt, so die Kuratorin. Wissenschaftler hätten daran gearbeitet, die Fähigkeit des Fluoreszieren aus der DNA einer Qualle zu extrahieren und sie einer Seidenraupe zu implantieren, um so ein hybrides Material zu schaffen, dass zwei Qualitäten in sich vereine.

Die Frage darf und soll hier aber gestellt werden: Ist das in Ordnung, die DNA einer Qualle in eine Seidenraupe zu verpflanzen? Wo führt das letztendlich hin?

Mitmachen ausdrücklich erwünscht

Diese Ausstellung ist kein ästhetische Wochenendvergnügen. Sie ist sperrig und verlangt von den Besuchern, mitzumachen, sich einzubringen. Und genau das ist auch gewollt. Ohne die Interaktion funktioniere es nicht - und das sei auch das Zukunftsweisende an der Ausstellung, so Laura Welzenbach. "Ohne unser aktives Engagement in den unterschiedlichen Bereichen kommen wir als Gesellschaft nicht weiter."

Ein Thema in der "Region am Sonntag" am 05.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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