Christine Streichert-Clivot (Foto: Imago/BeckerBredel)

Große Würfe oder bleierner Stillstand? - Kultur im Saarland

Das Jahr - die Meinung

Barbara Grech   16.12.2021 | 12:50 Uhr

Streng genommen sind es ja zwei Jahre und eine Meinung. Denn während der letzten beiden Corona-Jahre kommt das kulturelle Leben im Saarland, nach all den Schließungen und Wieder-Eröffnungen mit begrenzten Besucher-Möglichkeiten und sonstigen Hindernissen, gefühlt, mal auf ein Jahr Kultur im Saarland. Während die Kulturschaffenden und Institutionen wacker ums Überleben kämpfen, kommt so gut wie gar kein Impuls aus dem zuständigen Kulturministerium. Visionen, Ideen für die Zukunft der Kultur im Saarland – Fehlanzeige!

Clivot oder - Kultur? Was ist das denn?

100.000 Euro und ein paar Zerquetschte für die Breitenkultur im Saarland. Das war seit langem so ziemlich das Einzige, was Christine Streichert-Clivot in Sachen Kulturförderung von sich gab. Nun ist es durchaus löblich, wenn die Breitenkultur im Land Geld bekommt, für Notenständer in den Musikvereinen oder Nachwuchsförderung.

Es gäbe viel zu tun

"Das Jahr - die Meinung": Große Würfe oder bleierner Stillstand? - Kultur im Saarland
Audio [SR 3, Barbara Grech, 16.12.2021, Länge: 03:18 Min.]
"Das Jahr - die Meinung": Große Würfe oder bleierner Stillstand? - Kultur im Saarland

Aber wenn das so ziemlich das Einzige ist, was einer Kulturministerin zum Thema Kulturförderung und -entwicklung einfällt, dann ist das – gelinde gesagt – bitter. Dabei gäbe es so viel zu tun, in diesem Bereich im Saarland. Gerade weil die Szene so geschröpft und erschöpft ist durch das Pandemie- Geschehen.

Tapfer und innovativ haben sich das Saarländische Staatstheater, das Festival perspectives und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte gegen Corona und dem damit wegbleibenden Publikum gestemmt. Vom Kulturministerium gab’ s Geld vom Bund und einen runden Tisch, an dem sich die Kulturschaffenden versammelten und jammern und klagen konnten.

Flops

Und sonst? Man hätte die Zeit nutzen können, um endlich mal ein Kultur-Konzept, einen Entwicklungsplan zu schaffen. Baustellen gibt es genug: die Industriekultur – nicht mehr existent. Das Musikfestival „resonanzen“ – wohl eine Eintagsfliege, die mehr oder minder unbemerkt digital im Netz vor sich hindümpelte.

Der zweite Rohrkrepierer nach dem vom Kulturministerium ebenfalls initiierten „Colors of pop“. Über eine Million Euro an Fördergelder versenkt.

"Man kann sich aber auch prima hinter Corona verstecken"

Sicher ist Corona dafür verantwortlich, dass die Besucherzahlen in diesen Zeiten verhalten sind. Man kann sich aber auch prima hinter Corona verstecken. Wie die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Die Besucherzahlen sind mau, was auch an dem Programm der neuen Direktorin, Andrea Jahn, liegt.

Ein Ausstellungsprogramm, das eher an das eines ambitionierten Kunstvereins erinnert als an ein großes Landesmuseum. Hinzu kommt eine schlechte Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Gursky und Co., die großen Stars der Welt-Foto-Kunst, in der Modernen Galerie gezeigt werden, aber keiner bekommt das so richtig mit, dann ist das mehr als schade.

Hinzu kommt, dass die anderen Museen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, also die Alte Sammlung oder das Zeitungsmuseum in Wadgassen, kleinteilig vor sich hinvegetieren. Keine themenübergreifenden Ausstellungen in den Häusern, von einer inhaltlichen Zusammenarbeit mit den Historischen Museen im Saarland ganz zu schweigen.

Kulturelle Kräfte müssten gebündelt werden

Dafür bräuchte es ein Konzept: Dringend müssten die kulturellen Kräfte im Land gebündelt werden. Kooperationen beispielsweise mit der Villa Borg, dem europäischen Kulturpark Reinheim und der Sammlung für Vor- und Frühgeschichte.

Dazu braucht es den Willen einer Kulturministerin, dass sich das kulturelle Leben im Saarland weiter entwickelt, besser wird und nicht der Status Quo, das Klein-Klein und die mittelmäßige Tristesse schlicht verwaltet wird. Doch da ist kein Silberstreifen am Horizont zu sehen. Stattdessen Notenständer für die Musikvereine.

Die Meinung von Barbara Grech


Übersicht


Vom Umgang mit Ungeimpften, von der Klima- und Industriepolitik und mehr
Das Jahr, die Meinung
2021 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Die SR 3-Reporterinnen und -Reporter schauen auf dieses Jahr im Saarland zurück und ziehen Bilanz. Was lief gut? Was hätte besser sein können? Alle Beiträge auf einen Blick.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 16.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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