"Baker Street" Veranstaltungsraum  (Foto: Sven Erik Klein)

Die saarländischen Kulturschaffenden in der Corona-Krise

Was bringt die saarländische Soforthilfe?

Barbara Grech   24.03.2020 | 15:52 Uhr

Vielen saarländischen Künstlern steht durch die Corona-Krise das Wasser bis zum Hals. Kein Publikum, keine Einnahmen - und die laufenden Kosten bleiben. Schon in normalen Zeiten leben die meisten von ihnen unter prekären Verhältnissen, hangeln sich von einem schlecht bezahtlen Auftrag zum nächsten. Und nun sind die Aufträge von einem Tag auf den anderen weggebrochen. Die saarländische Landesregierung hat die Künstler- und Kulturschaffenden in das Soforthilfe-Programm aufgenommen. Ob es was nutzt und wie das funktioniert - darüber berichtet SR-Kulturreporterin Barbara Grech.

Audio

Soforthilfe für die saarländischen Kulturschaffenden - was bringt sie?
Audio [SR 3, Barbara Grech, 24.03.2020, Länge: 03:25 Min.]
Soforthilfe für die saarländischen Kulturschaffenden - was bringt sie?

Kleinkunst, Theater, Musik - das alles gibt es zuzeit nicht. Von heute auf morgen war durch die Corona-Krise Schluss mit dem Kulturprogramm im Land. Für Publikum und Besucher ein herber Verlust. Für die Künstler und Kulturschaffenden eine Katastrophe, denn ihnen sind damit die Einkommensmöglichkeiten weggebrochen. Die saarländische Landesregierung hatdeshalb Künstler und Kulturschaffende in das Soforthilfe-Programm der Landesregierung aufgenommen.

30 Millionen Euro stehen dafür bereit. Es gibt Soforthilfen von 3000 bis 10.000 Euro. Wie Friseure oder sonstige Kleinst-Unternehmer auch, können nun die Kulturschaffenden einen Antrag beim Wirtschaftsministerium stellen. Für Julian Blomann vom PopRat Saar und Inhaber der Agentur Erlebnisraum ist dies allerdings nicht die Lösung, die auf lange Sicht tragen wird: "Geld hilft schon, aber das Geld, das jetzt zugesagt ist, ist eine nette Geste, aber keine wirkliche Hilfe." Die meisten werden wohl lediglich 3000 Euro bekommen, denn welcher saarländische Künstler hat schon einen Jahres-Umsatz, der über 200.000 Euro liegt.

Auch die Künstler, die beispielsweise in Event-Agenturen wie der von Julian Blomann oder in kleinen, freien Theatergruppen festangestellt sind, trifft ein hartes Los - trotz Kurzarbeitergeld. "Wir sind sowieso alle am unteren Level des Möglichen - und davon jetzt nur noch 60 Prozent, da kann man im Grunde auch gleich Hartz IV nehmen", sagt Blomann.

Das Kulturministerium, das für die Kulturschaffenden im Lande zuständig wäre, hat sich mit dem Soforthilfe-Programm an das Wirtschaftsministerium drangehängt. Das ist nicht verwerflich, hilft für die ersten Tage – aber dann müssen tragfähige Lösungen für das Kulturleben im Saarland her. Denn die Museen, Theater oder Kulturzentren könnten über Monate für das Publikum geschlossen bleiben. Keine Besucher – keine Einnahmen. Zumal schon jetzt Festivals bis in den Sommer reihenweise abgesagt werden.

Projekte wie digitale, finanzierte Plattformen für die Künste müssten her, ein Ankaufsetat für bildende Künstler im Land – doch bislang war von Seiten des des Kulturministeriums nichts zu hören. "Man muss jetzt dafür sorgen, dass die saarländischen Künstler durchkommen, denn sonst werden wir nach der Krise eine komplette Kulturwüste haben", mahnt Blomann.


Corona-Hilfsprogramme

Corona-Hilfsprogramme
Wie Künstlerinnen und Künstlern jetzt geholfen wird
Die Corona-Pandemie trifft die Kunst- und Kulturszene besonders hart. Viele Künstlerinnen und Künstler bangen um ihre Existenz. Bund, Länder und viele weitere Institutionen haben Hilfsprogramme aufgelegt. Ein Überblick.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 24.03.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja