Biographie "Jan Fedder - Unsterblich" (Foto: picture alliance/Heyne Verlag/dpa)

„Jan Fedder – Unsterblich“

Christian Job / Onlinefassung: Axel Wagner   08.04.2020 | 17:14 Uhr

„Hauptberuflich bin ich Mensch, im Nebenberuf Schauspieler“. Das hat Jan Fedder über sich gesagt. Der wohl letzte Volksschauspieler starb im vergangenen Jahr, einen Tag vor Silvester. Bis zuletzt hatte er mit Bestsellerautor Tim Pröse an seiner Biographie gearbeitet. Jetzt ist das Buch da! Geschichten aus einem prallen Leben ohne Auslassungen.

Buchtipp: Jan Fedder - "Unsterblich
Audio [SR 3, Christian Job, 08.04.2020, Länge: 02:44 Min.]
Buchtipp: Jan Fedder - "Unsterblich

Jan Fedder hat zu Lebzeiten nichts ausgelassen, hat es gerne ordentlich krachen lassen. Ein reicher Anekdotenschatz war zu teilen. Und Tim Pröse hat alles erzählt in seinem letzten Lebensjahr von Januar bis Dezember 2019. „Wir waren bei ihm zuhause, in seiner Wohnung in St. Pauli und auf seinem Bauernhof in Schleswig-Holstein, und haben lange, tiefe Gespräche geführt. Und jedes Mal war das ein mich sehr überwältigendes Erlebnis, ihm zuzuhören“, sagt Pröse. „Er zog einen sofort in seinen Bann, und es war, als ob die Zeit stehen bleibt.“

Mütze von Schmidt geschnorrt

Wie er bei Altkanzler Helmut Schmidt eine Mütze geschnorrt hat, weil er ein leidenschaftlicher Sammler war, und dann noch eine echte von seinem Hamburger Kanzler haben wollte, eine Prinz-Heinrich-Mütze – das ist eine wunderbare Geschichte. Obwohl er nie Mütze trug, im Großstadtrevier als Dirk Matthies hatte er in Uniform nie eine auf. Auch die des Traumschiffkapitäns wollte er nicht, ob wohl ihn Wolfgang Rademann als Nachfolger von Sigefried Rauch haben wollte. Jetzt wo alle Beteiligten nicht mehr leben, kann man es erzählen.

Auf bzw. in einem Boot gab es nur eine Rolle für Fedder: Oscarnominiert, zur Legende geworden. In Wolfgang Petersens Heldenstück „Das Boot“ dabei gewesen zu sein machte Jan Fedder stolz. Natürlich auch seine späten Charakterollen in Siegfried Lenz‘ Verfilmungen wie „Der Taucher“.

Pröse: Fedder konnte sich nicht verstellen

Letzter Volksschauspieler, so hat man Jan Fedder nachgerufen. Tim Pröse kann das nachvollziehen, wieso die Menschen Fedder mochten: „Er konnte sich nicht verstellen, als Schauspieler sehr ungewöhnlich. Er war immer geradeheraus, manchmal sogar schroff. Manchmal gab es den alten Straßenköter bei ihm zu hören. Aber die Menschen liebten ihn dafür, dass er ohne Umschweife war, dass er sich manchmal vergaloppierte, aber immer aus dem Herzen sprach.“ Und so reichte die Bewunderung und die Liebe seines Publikums über Fedders Tod hinaus. Jetzt bleibt er unsterblich.

Menschen sangen mit

„Wie sehr ihn das Volk geliebt hat, konnte man am Tag der Trauerfeier“, so Tim Pröse. „Drinnen, im Michel, spielte der Organist Jan Fedders Lieblingslied ‚An de Eck steiht ‘n Jung mit’n Tüddelband‘, und draußen, vor dem Michel, standen tausende Menschen vor der Großbildleinwand und sangen dieses Lied mit. Man hörte den Gesang durch die Mauern des Michels.“

Fedders Leben als Buch – das hat er verdient. Denn wie sagt er selbst: Was bleibt von einem Menschen? Seine Knochen und seine Geschichten!

„Jan Fedder – Unsterblich - die autorisierte Biographie“ von Tim Pröse ist bei Heyne erschienen und kostet 22 Euro.

Über dieses Thema hat auch der SR3 Kiosk vom 08.04.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja