Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner "Badende im Raum" (Foto: picture alliance/akg-images)

Die "Brücke"-Ausstellung in der Modernen Galerie

  02.12.2020 | 14:17 Uhr

Damals war es ein wilder Haufen. Heute sind sie die Ikonen des deutschen Expressionismus, die Maler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmitt-Rottluff und Max Pechstein. Anfang des 20. Jahrhunderts nannte sich die junge Künstlergruppe "Die Brücke". Schon vor zwei Wochen hätte eine Ausstellung in der Modernen Galerie eröffnet werden sollen, die die "Brücke" in den Mittelpunkt stellt. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Barbara Grech durfte aber schon mal rein.

"Die Brücke" in der Modernen Galerie
Audio [SR 3, Barbara Grech, 02.12.2020, Länge: 02:57 Min.]
"Die Brücke" in der Modernen Galerie

Streng genommen geht es um ein einziges Bild, um das diese Ausstellung mit den Werken der expressionistischen Maler herumgebaut wurde: "Badende im Raum" ist der Titel des Gemäldes von Ernst Ludwig Kirchner, das zu den prominentesten Werken der Sammlung des Saarlandmuseums gehört. Andrea Jahn, die neue Direktorin des Saarlandmuseums über das Bild: Es zeigt eine Ateliersituation in Kirchhoffs neuen Atelier Dresden. Dort versammelten sich die Künstler regelmäßig, um gemeinsam zu arbeiten, zu tanzen, zu feiern; um alles zu tun, was damals in der Kaiserzeit nicht üblich war.

Erwartungen durchkreuzt

Sprich: Kirchner, Heckel und Co. haben es ordentlich krachen lassen, damals, in Dresden. Das zeigt auch das Gemälde: ein mit allerlei exotischem Firlefanz ausgestattetes Atelier, in dem sich lauter nackte Frauen tummeln. Heute wirkt das wie ein Klischee eines Künstler-Ateliers. Damals war es die pure Provokation.

1909 galt noch ein ganz andere Gesellschaftsmodell. Ein strenges Regiment unter den Bevölkerungsschichten, so Andrea Jahn, die Oberschicht mischte sich nicht mit der Unterschicht. All diese Dinge stellten die Künstler der "Brücke" in Frage. Sie waren die Bohème, bei der es nicht darum ging, gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen, sondern eher sie zu durchkreuzen.

Die Ausstellung auch kritisch betrachten

1909 ging es vor allem um eine ästhetische Revolution. Das zeigen die Grafiken, Lithographien und auch Gemälde dieser Künstler, die da in der modernen Galerie zu sehen sein werden. Der aufkommende Kolonialismus, der auch vom deutschen Kaiserreich betrieben wurde, diente sozusagen als Quell der Inspiration. Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste.

Für Andrea Jahn kann und sollten die Besucherinnen und Besucher die farbprächtigen Gemälde und ausdrucksstarken Grafiken mit jeder Menge Nackedeis auch kritisch betrachten. Ästhetik der Ästhetik willen. Die Modelle, ob Kinder, Frauen oder farbige Menschen, lediglich Material für eine künstlerische Revolution. Dazu sind alle, wenn die Ausstellung denn eröffnet wird, auch eingeladen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 02.12..2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja