Grubenanlage Camphausen. (Foto: imago images / Becker&Bredel)

"Die Hinterlassenschaften des Bergbaus rotten vor sich hin"

Ein Kommentar von Barbara Grech   29.06.2022 | 07:20 Uhr

Zehn Jahre liegt das Ende des Bergbaus im Saarland zurück. Um das kulturelle Erbe am Leben zu erhalten, wurde im Saarland die Industriekultur ins Leben gerufen. Die ehemaligen Bergbau-Orte sollten für die Nachwelt erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Doch wie ist das gelungen? Ein Kommentar von Barbara Grech.

Sechs Premium-Standorte gibt es für den Erhalt der Bergbau-Geschichte im Saarland: Itzenplitz, Camphausen, Velsen, Luisenthal, Göttelborn und Reden. Von Göttelborn und Reden mal abgesehen, geben diese Standorte bis heute ein klägliches Bild ab.

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Kommentar: "Die Hinterlassenschaften des Bergbaus rotten vor sich hin"
Audio [SR 3, Barbara Grech, 29.06.2022, Länge: 02:44 Min.]
Kommentar: "Die Hinterlassenschaften des Bergbaus rotten vor sich hin"

Von den anderen Standorten der Industriekultur im Saarland, wie beispielsweise der Gasmaschinenzentrale in Heinitz, gar nicht zu reden. Die Hinterlassenschaften des Bergbaus rotten vor sich hin.

Kein Geld, keine Ideen, kein Personal

Auch und weil die Finanzierung nicht steht - bis heute nicht. Wer auch immer in den letzten Jahren politisch für die Industriekultur zuständig war, beklagte die fehlenden Zuschüsse vom Bund, der EU, der RAG. Nur: Wer keinen wirklichen Plan, keine konkreten Projekte vorweisen kann, der kann auch keine Gelder beantragen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Von einem Masterplan will man nichts wissen, konkrete Ideen für eine blühende Industriekultur im Saarland hört man bis heute nicht. Auch nicht, nachdem die Industriekultur vom Wirtschaftsministerium, das das ganze Unterfangen eher als eine Art Flächenvermarktungs-Projekt angesehen hat, ins Kulturministerium wanderte.

Dort dümpelt sie nun völlig unterbesetzt vor sich hin. Kein Geld, kein Personal und Ideen schon mal gar nicht.

SPD-Regierung jetzt gefordert

Es verwundert, dass gerade eine SPD-geführte Landesregierung da nicht die Initiative ergreift. Mehr Arbeiter-Kultur geht nicht und das bei einer Kulturministerin, die immer wieder gerne betont, dass sie selbst Tochter eines Bergmanns sei.

Stattdessen gibt man sich mit dem zufrieden, was man bisher "erreicht" hat. Göttelborn läuft doch – Hochschulen und ein paar Unternehmen haben sich dort angesiedelt.

Velsen, von ehemaligen Bergleuten in einer Privatinitiative gemanaget, bei der man sich fragt, wie das Besucherbergwerk betreut werden soll, wenn die ehemaligen Bergleute mal alt und gebrechlich werden. Auch da fehlt eine tragfähige, nachhaltige Struktur.

Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben

Reden wäre die Chance gewesen. Wenn man aus der Ausstellung zum Ende des Bergbaus etwas gemacht hätte: Ein Zentrum für die Bergbaukultur im Saarland.

Stattdessen wurde die chronisch unterfinanzierte Ausstellung nach drei Jahren geschlossen. Heute gibt es dort Alm, Gondwana und einen Wasserpark. Ach ja, das Landesdenkmalamt residiert dort auch noch. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.

Im Grunde ist das auch der heutige Entwicklungsstand bei der Industriekultur im Saarland. Man macht in Klein-Klein, gibt sich damit zufrieden, verwaltet den Notstand und versteckt sich hinter dem Geldmangel. Eine innovative Entwicklung der Industriekultur sieht anders aus.

Wie steht es um die saarländische Industriekultur?
Audio [SR 3, Barbara Grech (c) SR, 29.06.2022, Länge: 02:43 Min.]
Wie steht es um die saarländische Industriekultur?

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Zehn Jahre danach - Was vom Bergbau übrig blieb
Am 30. Juni 2012 ist der Bergbau im Saarland offiziell zu Ende gegangen. Damit endete eine Ära, die das Saarland über 250 Jahre lang prägte. Ein Rück- und Ausblick auf Vergangenheit und Folgen.

Ein Thema in den Sendungen "Guten Morgen" und "Region am Mittag" am 29.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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