Fabienne Verdier: Steinbruch von Bibémus, Skizze Nr. 43, 2018 (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

"Im Auge des Kosmos" - Werke von Fabienne Verdier

Barbara Grech   02.09.2022 | 12:00 Uhr

Ein Pinsel besteht bei ihr aus bis zu 30 Pferdeschwänzen und die schlichte Linie steht im Mittelpunkt ihres Werkes. Die französische Künstlerin Fabienne Verdier will Brücken bauen zwischen dem europäischen und asiatischen Kunstverständnis. Die moderne Galerie des Saarlandmuseum zeigt Werke von ihr in einer Einzelausstellung.

Alles auf das Wesentliche reduziert. Die Landschaften, Bäume oder Berge werden mit wenigen Strichen dargestellt.

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Moderne Galerie: Einzelausstellung mit Zeichnungen von Fabienne Verdier
Audio [SR 3, Barbara Grech, 02.09.2022, Länge: 03:42 Min.]
Moderne Galerie: Einzelausstellung mit Zeichnungen von Fabienne Verdier

Verdier und die Kalligraphie

Das Ganze erinnert an die chinesische Schriftkunst Kalligraphie - und kein Wunder, Fabienne Verdier hat als erste Europäerin in den 1980er Jahren die Kalligraphie bei einem Meister seines Fachs in China erlernt. Mit einer Ausnahmegenehmigung.

Es sei sehr schwer gewesen, so Verdier. "Man sagte mir damals, wenn ich in der abstrakten Malerei arbeiten will, muss ich diese Form der Malerei, die Kalligraphie, erlernen. Und sie sagten mir, das wird zehn Jahre dauern."

Die Kalligraphie sei eine vertikale Malerei, so die Künstlerin. Es werde im Stehen gemalt, von oben nach unten, denn die Schwerkraft spiele eine große Rolle in dieser Kunstform. "So schafft man Formen, die auch die Natur so schafft."

Ein anderer Blick

Fabienne Verdier: Jazz Quintett, Notation Nr. 4 vom 25/11/2014, Lukas Gabric / Tenor Saxophone, Paolo (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Als Fabienne Verdier wieder nach Europa zurückkehrte, arbeitete sie sich ab an der klassischen europäischen Kunst. Und das hält bis heute an. Figurativ, von einem Standpunkt aus gemalt, mit einer Perspektive. Sie will einen anderen Blick schaffen - auch auf die europäische Kunst. Mit asiatischer Technik, die nicht das Abbild in den Vordergrund stellt, sondern die Energie, die eine Landschaft beispielsweise ausstrahlt. Das sei einzigartig, sagt die Kuratorin Mona Stocker.

Ihre Malerei - ein Kraftakt

Fabienne Verdier: Wasserspiegelungen, Studie Nr. 3, nach Hans Memling, „Moreel-Triptychon“ (1484), 2011  (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Die Malerei von Fabienne Verdier ist ein Kraftakt. Mittels schwerer Geräte geht sie mit den riesigen, kiloschweren Pinseln über die Leinwand. Das betont Mona Stocker bei einem Rundgang immer wieder. Das Einswerden mit dem Sujet erfordert eine mentale Vorbereitung.

Doch sieht man das den Bildern an? Eher nicht. Muss man das alles wissen um die Bilder zu verstehen? Eigentlich nein, so die Kuratorin. "Wir haben es schon erlebt, dass die Leute sofort angetan waren von der Bewegtheit und von dem Leben, das sich in diesen Zeichnungen befindet." Aber das kommt natürlich auf den Betrachter an.

Die Ausstellung und der Energiefluss

Auf jeden Fall macht es die Moderne Galerie den Besuchern nicht leicht, sich ein ganzes Bild, einen ganzheitlichen Eindruck zu verschaffen. Denn die Ausstellung ist auf zwei weit auseinander liegende Räume verteilt. Man muss erstmal zehn Minuten durch das Museum wandern, um die anderen Werke der Künstlerin zu betrachten. Das hemmt doch etwas den Energiefluss, den die Künstlerin doch so sehr darstellen mag und uns ermöglichen will, auch die europäische Kunstgeschichte mit ganz anderen Augen zu sehen.

Video [aktueller bericht, 01.09.2022, Länge: 2:57 Min.]
Ausstellung „Im Auge des Kosmos“ von Fabienne Verdier
Geschwungene Striche, Formen und Zeichen – allerdings gemalt mit einem 60-Kilogramm schweren Pinsel, bestehend aus bis zu 30 Pferdeschwänzen. Diese Form der Kunst ist Arbeitsalltag der französischen Künstlerin Fabienne Verdier. In Frankreich hat sie damit bereits für viel Aufsehen in der Kunstszene gesorgt. Ab Samstag ist ihre Ausstellung „Im Auge des Kosmos“ in der Modernen Galerie in Saarbrücken zu sehen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 02.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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