Lied [Chanson], 1906 (Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Georges Meguerditchian/Dist. RMN-GP)

"Folklore"

Barbara Grech   12.07.2020 | 12:30 Uhr

Folklore - das bedeutet Kunsthandwerk, Tradition und Volksbrauchtum. So mancher Kunsthistoriker rümpft da die Nase. Nicht so die Museums-Macher vom Centre Pompidou in Metz. Sie haben jetzt eine Ausstellung eingerichtet, die sich mit dem Einfluss der Folklore auf die moderne bildende Kunst beschäftigt. Und da gibt es mehr Zusammenhänge, als man denkt.

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Centre Pompidou Metz: die Ausstellung "Folklore"
Audio [SR 3, Barbara Grech , 12.07.2020, Länge: 03:02 Min.]
Centre Pompidou Metz: die Ausstellung "Folklore"

Wenn man an Folklore und bildende Künste denkt, dann hat man gleich die berühmte naive Malerei von Grandma Moses vor dem inneren Auge. Ein Apfelbäumchen, ein Häuschen, davor auf der Gartenbank Oma und Opa, die mit ihren Enkeln spielen. Aber das sieht man in der Ausstellung "Folklore" so gut wie gar nicht.

"Wir zeigen weniger die naive Malerei als Stücke, die mit der Volkskunde eng verbunden sind", sagt Jean Marie Gallais, der diese Ausstellung eingerichtet hat. Mit der Ausstellung solle vielmehr ein volkskundlicher Parcours durch die Kunstgeschichte aufgezeigt werden.

Was für und Deutsche Bayern, der Schuhplattler und die Lederhose sind, das sind für die Franzosen Holzpantinen und Spitzenhäubchen in der Bretagne.

Viele Künstler haben sich von der Volkskunst, der Folklore beeinflussen lassen, so die These dieser Ausstellung. So zum Beispiel Paul Gauguin und Paul Cerisier aus der Bretagne, oder auch "Recken" der klassischen Moderne wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Das Künstlerpaar sammelte sogar folkloristische Kunst. Und Josef Beus habe sich ausführlich mit Sagen und Aberglauben beschäftigt, so Gallais. Oder aber Constantin Brancusi, eine Ikone der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk finde sich die Folklore Rumäniens wieder.

Das bei den Kunsthistorikern und Kunstliebhabern die Folklore ein eher schlechtes Image hat, hat auch seinen Grund. Sie sei Anfang des 20. Jahrhunderts von nationalistischen Politikern missbraucht worden - in Frankreich genauso wie in Deutschland, sagt Gallais. "Die damalige Forschung über die Volkskunst wurde - besonders in den 1930er Jahren - für propagandistische Zwecke verwendet."

"Folklore" ist eine eher volkskundlich angelegt Ausstellung mit vielen folkloristischen Exponaten, die sich dann in den Bildern der Künstler wiederfinden. Es ist ein kurzweiliger Rundgang durch die Geschichte der Folklore.


Auf einen Blick


Das Centre Pompidou in Metz (Foto: Lars Ohlinger)

"Folklore"
21. März bis 4. Oktober 2020

Centre Pompidou Metz
Galerie 2
1, parvis des Droits-de-l’Homme

Internet: www.centrepompidou-metz.fr

Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10.00 bis 19.00 Uhr
Dienstag: Ruhetag

Tickets solle man vorher online bestellen, um so Warteschlangen zu vermeiden.
Es gelten die üblichen Hygieneregeln mit Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz.

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