App: Orte der Erinnerung, Saarland (Foto: Patrick Wiermer/SR)

Neue App zeigt Gedenk-Orte zur NS-Zeit in Saarbrücken

mit Informationen von Patrick Wiermer   03.09.2020 | 17:21 Uhr

Vielen Saarbrücker Orten sieht man ihre NS-Vergangenheit nicht an. Um die Geschichte wieder sichtbar zu machen, gibt es nun die App "Orte der Erinnerung".

Die Neue Bremm und das Schloss in Saarbrücken: Bei diesen Orten wissen viele, dass sie auch mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden sind. Doch gerade in Saarbrücken gibt es viele Plätze, Häuser und Straßen, denen man diese Vergangenheit nicht ansieht.

Tour führt an zehn Orte

Saarbrücken Neue App "Orte der Erinnerung"
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 03.09.2020, Länge: 03:04 Min.]
Saarbrücken Neue App "Orte der Erinnerung"

An insgesamt zehn Orten in Saarbrücken macht die App „Orte der Erinnerung“ Geschichte wieder lebendig - mit Hörerklärungen, Bildern und Texten. Einer dieser unsichtbaren Orte ist die Bahnhofstraße 95. Heute befindet sich dort unter anderem ein Fotostudio. In Zeiten des Nationalsozialismus war es ein Zufluchtsort für politische Verfolgte: Die Pension der Sozialdemokratin Marie Juchacz, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt.

Ein weiterer Gedenkort liegt in der Futterstraße. Dort befand sich die ehemalige jüdische Synagoge der Stadt. Sie wurde in der Reichspogromnacht 1938 angezündet und zerstört. Aufgehängt zwischen der Reklame von mehreren Restaurants erinnert ein schwer zu lesendes Schild an die Geschichte.

Ganz ohne Vorwissen funktioniert die App aber nicht. Schüler müssen erst an die Themen herangeführt werden.

Weitere Apps sollen kommen

Die App wurde gemeinsam vom Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes, dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland erarbeitet. Programmiert wurde sie von der Firma Eurokey aus Dudweiler. Die Kosten zur Entwicklung der App, in Höhe von rund 5000 Euro, hat das Landesinstitut für Pädagogik und Medien im Saarland übernommen.

Dessen Leiter Burkhard Jellonnek kann sich durchaus vorstellen, dass die Software der App auch woanders zum Einsatz kommen kann - etwa zur Entwicklung des Lebens von Homosexuellen in Saarbrücken, an Gedenkorten oder zum jüdischen Leben in St. Wendel.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 03.08.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja