Bühne eines Amateurtheaters (Foto: dpa)

Amateurtheater in der Corona-Krise

René Henkgen   10.01.2022 | 10:00 Uhr

Theater spielen, das ist für viele im Land eine Leidenschaft. Doch viele Amateurtheater-Spieler haben seit dem Frühjahr 2020 nicht mehr auf der Bühne gestanden. Zwar waren Vorstellungen außerhalb der Lockdowns wieder möglich, doch die Corona-Auflagen so hoch, dass es für die meisten Vereine einfach nicht realisierbar war - auch in finanzieller Hinsicht. Was bleibt, ist die Hoffnung.

Von heute auf morgen war alles dicht und ganz Deutschland im Lockdown - als die Corona Pandemie im Frühjahr 2020 auch Europa erreicht hat. Die meisten konnten im Laufe der Pandemie wieder mit ihren Hobbys wie Fußball oder Handball beginnen. Nicht so die Hobby-Schauspieler im Saarland. Viele von ihnen haben bis heute kein einziges Mal mehr auf der Bühne gestanden.

Amateurtheater in der Corona-Krise
Audio [SR 3, René Henkgen, 10.01.2022, Länge: 02:31 Min.]
Amateurtheater in der Corona-Krise

Zum Beispiel beim Theaterverein „Einigkeit“ Altforweiler. 2020 war alles parat und fertig für das neue Stück. Die Plakate waren gedruckt, die Eintrittskarten schon verkauft. „Wir haben bis Ende Februar geprobt und mussten dann alles absagen. Seitdem haben wir gar nichts gemacht. Wir hatten jetzt zwei Vorstandssitzungen und für Ende März haben wir wieder alles abgesagt. Es geht gar nichts", so der Vorstandsvorsitzende des Theatervereins Joachim Brandt.

Wie den Altforweilern geht es vielen Amateurtheatervereinen im Saarland. Verbandschef Thomas Redelberger rechnet damit, dass es im letzten Jahr nur rund fünf Prozent der Auftritte im Vergleich zu den Vor-Corona-Jahren gab.

Es rechnet sich nicht

Das Problem: Die Corona-Auflagen würden Auftritte zwar teilweise möglich machen - das würde sich für viele Vereine finanziell aber nicht rechnen, sagt Hans-Georg Bock von der Volksbühne Hülzweiler. "Wenn man so ein Stück auf der Freilichtbühne aufführt, dann kostet das Ganze rund 15.000 bis 20.000 Euro. Wenn man dann nur vor 150 Zuschauern spielen kann, dann kann ich das wirtschaftlich als Vorstandsvorsitzender nicht vertreten.“

Dass sich Vorstellungen unter den hohen Coronaauflagen nicht rechnen, bestätigt auch der Theaterverein Titania in Völklingen. Bei vier Aufführungen jetzt an Weihnachten gab es insgesamt nur gut 60 Zuschauer. "Wirklich finanziell gelohnt haben sich die Auftritte nicht", so Ralf Westermann, der Vorstandsvorsitzende des Theatervereins Titania.

"Das Vereinsleben liegt quasi brach"

Dadurch, dass die meisten Theateraufführungen in den letzten knapp zwei Jahren gar nicht stattgefunden haben, ist der finanzielle Schaden bei den Vereinen relativ gering. Bei vielen sind durch die Absagen „nur“ die Fixkosten aufgelaufen.

Weitaus größer ist hingegen der immaterielle Schaden. "Das Vereinsleben liegt quasi brach. Es beschränkt sich auf E-Mail und WhatsApp. Da fängt fast jeder Verein wieder bei Null an“, sagt Yvonne Jobst von der Bühnenvereinigung Saarwellingen.

Die Hoffnung bleibt

Am Anfang der Pandemie 2020 hatte der Verein in Saarwellingen noch die Hoffnung, wieder Aufführungen zu machen - durch die jeweils geltenden Hygieneregeln hat das aber nicht wirklich funktioniert. “Dann haben wir uns überlegt: Wir steigen um und machen ein Krimidinner. Die Restaurants hatten ja sowieso Hygienekonzepte. Wir haben alles geprobt und es war auch alles genehmigt und drei Tage vor dem Auftritt kam der nächste Lockdown und wir mussten alles absagen", so Jobst.

Auch im letzten Sommer haben die Schauspieler in Saarwellingen wieder fleißig geprobt – eine Aufführung vor Publikum gab es trotzdem nicht. Nun hoffen die Hobbyschauspieler der Bühnenvereinigung Saarwellingen, dass es wenigstens in diesem Sommer mit einem Auftritt vor Publikum klappt.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 10.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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