40 Jahr Theater Überzwerg

Vier Jahrzehnte Theater für und mit Kindern und Jugendlichen

40 Jahre Theater Überzwerg

Eva Lippold   06.09.2018 | 09:30 Uhr

Am 8. September feierte das Theater Überzwerg seinen 40. Geburtstag. Viel hat sich seither getan. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen haben sich verändert, sondern auch die Stücke, die auf die Bühne gebracht werden. Doch eines ist gleich geblieben: Die Kinder und Jugendlichen mit ihren Sorgen und ihren Träumen Ernst zu nehmen. Und das nicht nur bei den Stücken, sondern auch bei der Arbeit mit der jungen Generation.

Audio: 40 Jahre Theater für Kinder und Jugendliche

40 Jahre Theater für Kinder und Jugendliche
Audio [SR 3, Eva Lippold, 06.09.2018, Länge: 02:51 Min.]
40 Jahre Theater für Kinder und Jugendliche

Das Aufklärungsstück "Was heißt hier Liebe?" des Berliner Theaters „Rote Grütze" war die erste Premiere des 1978 frisch gegründeten Theater Überzwerg. Spielort war damals das Jugendzentrum Försterstraße in Saarbrücken. Die Gründer waren Ingrid Braun, Ingrid Hessedenz, Alice Hoffmann, Jochen Senf und Peter Tiefenbrunner. Ihnen sei es damals darum gegangen, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Sorgen und ihren Träumen Ernst zu nehmen, so Alice Hoffmann. Und an diesem Prinzip hat sich am Theater seitdem nichts geändert.

Die großen Themen sind gleich geblieben - die Form hat sich geändert

Das Stück „Was heisst hier Liebe“ findet immer mal wieder seinen Weg in den Spielplan. Und immer noch schreiben die Überzwerge viele ihrer Stücke selbst. Und doch ist was anders geworden in all diesen Jahren, sagt Bob Ziegenbalg, seit 1987 Künstlerischer Leiter des Überzwerg. "Die Konzentrationphasen sind heute kürzer. Wir sind diese schnellen Schnitte gewohnt, die Unterbrechungen durch Werbung gewohnt und natürlich hat das Auswirkungen auf die Kindheit."

Doch auch heute gelinge es dem Theater immer noch "die Kinder einzufangen". Und die großen Themen, die bleiben sowieso immer dieselben: Familie, Liebe, Freundschaft... Was sich geändert habe, das sei die Form. "Freunde hält man heute eher über WhatsApp und Instagram beieinander, früher hat man eher angerufen und sich häufiger getroffen", Christoph Dewes, der Dramaturg am jungen Theater Überzwerg.

Im Jubiläumsjahr gibt das Theater zehn Stücke aus den vergangenen Jahren, dazu vier Premieren. Zum Beispiel "Der Feminist", in dem die Errungenschaften der Emanzipation gefeiert werden - und zwar aus rein männlicher Sicht. Oder das zeitkritische Stück „In meinem Hals steckt eine Weltkugel“ – ein böser, satirischer Stoff über das aktuelle Weltgeschehen.

Vor schweren und politischen Stoffen haben sich die Überzwerge nie gescheut, im Gegenteil: Denn schließlich machen solche Themen auch vor Kindern nicht Halt. Umso wichtiger sei es da aber auch, mit den kleinen Zuschauern in Dialog zu treten.

Audio: Jugendarbeit und Talentschmiede

Theater Überzwerg: Jugendarbeit und Talentschmiede
Audio [SR 3, Eva Lippold, 06.09.2018, Länge: 02:37 Min.]
Theater Überzwerg: Jugendarbeit und Talentschmiede

Jugendarbeit und Talentschmiede

Das Theater Überzwerg ist aber noch mehr, als Theater für das junge Publikum. Übrezwerg ist Teil des theaterpädagogischen Zentrums, und ein wenig ist es auch eine Talentschmiede. Seit Ende der 1980er Jahre gibt es am Theater den Jugendclub, in dem Jugendliche ab zwölf Jahren selbst Stücke entwickeln und auf die Bühne bringen. Davon profitieren nicht nur die jungen Mitglieder - sondern auch das Theater.

Bob Ziegenbalg, Künstlerischer Leiter des Theaters Überzwerg (Foto: SR)
Bob Ziegenbalg, Künstlerischer Leiter des Theaters Überzwerg

Dass er Ende der 1980er Jahre die erste Jugendtheatergruppe am Theater Überzwerg, den Jugendclub, gegründet hat, nennt Bob Ziegenbalg, der Künstlerische Leiter des Theaters eine seiner besten Ideen, die er je hatte. "Die Jugendlichen haben von uns gelernt, aber wir auch immer von ihnen". Und selbst diejenigen, die irgendwann auf Schauspielschulen gegangen seinen, seien zurück gekommen, um am Theater Kurse zu machen.

Mittlerweile gibt es ganze Generationen von ehemaligen Jugendclub-Mitgliedern - und viele von ihnen sind überregional erfolgreiche Schauspieler. Über 50 ehemalige Überzwerg-Jugendclubler seien in künstlerische Berufe gegangen, 38 von ihnen seien Schauspieler geworden. Dabei sei es nie das Ziel gewesen, aus dem theater eine Talentschmiede zu machen, sagt Ziegenbalg. Ziel sei immer gewesen, die jungen Leute zu einer funktionierende Gruppe zu machen und Möglichkeiten zu schaffen, wo sie frei von Angst miteinander umgehen können und sich Vertrauen entwicklen kann."

Wenn die ehemaligen Jugendclub-Mitgleieder von ihrer Zeit bei Überzwerg sprechen, geraten sie stets ins Schwärmen. Denn der Jugendclub schweißt zusammen, sagt Verena Ayere, heute 38 Jahre alt. "Man ist für immer Überzwerg - ob mal jetzt professionell weiter gemacht hat oder nicht."

Die Schauspielerin Christine Münster, einst Jugendclub-Mitglied und anschließend Schauspiel-Elevin bei Überzwerg macht heute selbst Theater mit Kindern. Und versucht dabei stets, diesen Überzwerg-Geist in die Welt zu tragen.

Ein bisschen sei dieser Geist sein Lebenswerk, sagt Bob Ziegenbalg. Drei Jahre wird er ihn noch in dem kleinen Theater versprühen, dann geht er in den Ruhestand und macht Platz für seine – so viel verrät er schon - Nachfolgerin.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 06.09.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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