Kinder (Foto: SR)

Herkunft entscheidet über Bildungserfolg

Diversity Tag

mit Informationen von Lisa Krauser   18.05.2021 | 08:00 Uhr

Man muss sich nur genug anstrengen, dann kann man alles erreichen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Solche Weisheiten sind in Deutschland leider nicht immer wahr, denn hier hat die soziale Herkunft einen großen Einfluss darauf, welchen beruflichen Weg jemand einschlägt. Auf diese Ungerechtigkeit im Arbeitsleben wird jedes Jahr mit dem Diversity Tag aufmerksam gemacht.

Natalya Nepomnyashcha vom Förderprogramm  "Netzwerk Chancen" bedauert, dass in Deutschland viele Kinder und Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. "Wenn man ihnen helfen würde, die Stärken und Talente zu erkennen und zu entfalten, die sie haben könnten, dann könnten sehr viele Menschen zu Fach- und Führungskräften werden, die bisher nie die Chance dazu hatten."

Diversity Tag: Soziale Herkunft bestimmt Berufserfolg
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 18.05.2021, Länge: 02:28 Min.]
Diversity Tag: Soziale Herkunft bestimmt Berufserfolg

Gerechtigkeit fängt bei der Bildung an

Um mehr Chancengleichheit zu erreichen, müsse man zum Beispiel mehr Kindergartenplätze schaffen, um Kinder individuell zu fördern, sagt Nepomnyashcha. Auch das mehrgliedrige Schulsystem raube vielen die Möglichkeit, ihre Stärken und Talente zu entfalten. Sie fordert deshalb, dass die Gemeinschaftsschule Regelschulform wird.

Berufserfolg nur Glück und Zufall

Der Meinung ist auch Christian Baron. Er wuchs als Sohn eines Möbelpackers auf, das Geld sei immer knapp gewesen, sagt er. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer hätten aber sein Potential erkannt, so dass er sogar studieren konnte. Den sozialen Aufstieg habe er aber nur durch Glück und Zufall geschafft, sagt Baron, der heute als Journalist und Autor arbeitet.  

Was es bedeutet, "sozialer Aufsteiger" zu sein
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 18.05.2021, Länge: 03:09 Min.]
Was es bedeutet, "sozialer Aufsteiger" zu sein
Die Geschichten zweier Männer, denen es gelungen ist, den vorgezeichneten Lebensweg zu verlassen.

Auch Albert Augustin musste sich seinen beruflichen Erfolg hart erkämpfen. Als Ältester von acht Kindern konnte er trotz Empfehlung nicht aufs Gymnasium. Für eine Fahrkarte und teure Schulbücher sei in der Großfamilie kein Geld da gewesen, sagt er. Auf dem zweiten Bildungsweg holte Augustin dann aber sein Abitur nach und studierte – als erster in seiner Familie.

Heute ist er Ingenieur und engagiert sich zudem im Verein "Arbeiterkind", indem er andere Arbeiterkinder dabei unterstützt, sich sowohl im Studium als auch im sozialen Umfeld besser zurecht zu finden, denn das sei oft ein Balancieren zwischen zwei Welten, sagt Augustin.


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Ein Thema in "Guten Morgen" am 18.05.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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