Fake News, Corona,  (Foto: Pixabay.com)

Wie mit Verschwörungstheorien umgehen?

Patrick Wiermer   30.04.2020 | 16:40 Uhr

Die Corona-Krise ruft viele Verschwörungstheoretiker und Verbreiter von Falschnachrichten auf den Plan. Doch wie geht man mit diesen "Nachrichten" am besten um, was machen diese Theorien mit uns? Wir haben zwei Expertinnen gefragt, die seit Jahren zu dem Phänomen forschen und publizieren.

Giulia Silberberger kennt die Welt der Verschwörungsideologien. Die Berlinerin betreibt den Blog "Der Goldene Aluhut."

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Wie mit Verschwörungstheorien umgehen?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 30.04.2020, Länge: 03:10 Min.]
Wie mit Verschwörungstheorien umgehen?

"Corona ganz weit oben bei Verschwörungstheorien"

Corona rangiere bei den Verschwörungstheorien ganz weit oben, sagt Guila Silberberger. Und zwar in den verschiedensten Ausführungen: Sei es beim Thema Impfpflicht, die nun angeblich durchgedrückt werden solle, seien es Theorien zu Bill Gates, die ihn als Profiteur oder gar Initiator der Corona-Krise darstellten, sei es die Angst vor Gesundheitsrisiken des Mobilfunkstandards 5G oder sei es beim Thema Xavier Naidoo, der in seinen Online-Videos Verschwörungstheorien rund um die Befreiung von angeblich rituell missbrauchten Kindern im Zuge der Corona-Krise verbreite.

Prominente Verbreiter

Gerade Prominente können Verschwörungstheorien Glaubwürdigkeit verleihen. Die Videos von Xavier Naidoo werden Hunderttausendfach in den Sozialen Netzwerken geteilt und verbreitet. Es beeindrucke Leute, wenn prominente Personen vermeintlich die Wahrheit sprächen oder den Mut zeigten, aufzustehen, so Silberberger. Schließlich hätten diese ja einen Ruf zu verlieren, so das Argument der Anhänger dieser Verschwörungs-Erzählungen.

Alle Gesellschaftsschichten betroffen

Was Verschwörungstheorien mit den Menschen machen, untersucht Pia Lamberty. Sie ist Sozialpsychologin an der Uni Mainz. Es sei gleichermaßen spannend wie gefährlich, dass sich der Verschwörungsglauben durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen ziehe, sagt Lamberty. In den USA glaube sogar jeder zweite an mindestens eine Verschwörungstheorie. Und dort erreichen solche Erzählungen auch die höchsten Kreise.

Radikalisierung & vermehrte Gewaltbereitschaft

Die Bloggerin Giulia Silberberger blickt auch mit Sorge auf die aktuellen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Verschwörungsgläubige, Links- und Rechtsextremisten zeigten sich hier Seite an Seite. Hier gehe es, so Silberberger, nur um eine Widerstandshaltung. Der Verstand habe hier längst ausgesetzt, sagt sie.

Silberberger sieht die Gefahr von weiterer Radikalisierung und Gewaltbereitschaft. So nimmt es auch Sozialpsychologin Pia Lamberty wahr: So seien die letzten Terroranschläge fast alle über Verschwörungs-Erzählungen legitimiert worden. Hieran zeige sich das Gewaltpotenzial.

Verschwörungstheorien geben Halt

Doch warum glauben Menschen überhaupt an Verschwörungen? In vielen Fällen gehe dem Glauben an eine Verschwörungstheorie ein Kontrollverlust voraus, sagt Lamberty. Etwa Brüche in der eigenen Biografie - wie der Verlust des Lebenspartners, des Jobs oder allgemein der Verlust von Sicherheit und der Gewissheit, wie es nun weitergehe.

Wie kann man reagieren?

Was kann man tun, wenn man auf Verschwörungstheorien trifft? Wenn zum Beispiel Angehörige oder Freunde plötzlich Videos mit Verschwörungstheorien an die Familien- oder Freundesgruppe bei Whatsapp schicken?

Hier komme es auf die grundsätzliche Haltung des Gegenübers an. Sei das Gegenüber nur auf Fake-News hereingefallen und in seinem Weltbild noch nicht auf den Glauben an Verschwörungstheorien festgelegt, so biete es sich an, dass man miteinander darüber rede, sagt Giulia Silberberger.

Wichtig sei auch, dass man immer wieder die Frage stelle: Welche Quelle verbreitet die Information und welche Absicht steckt dahinter? Gerade in der heutigen Zeit sei diese Medienkompetenz besonders gefordert.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 30.04.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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