Kürbisverkauf am Straßenrand (Foto: dpa)

Wo ist nur meine alte B10?

Michael Friemel   09.11.2020 | 10:40 Uhr

Das hätte es früher auch nicht gegeben! Dass man im Herbst die B10 entlang fährt, ohne auch nur einen einzigen Stand mit Kürbissen und jungem Wein zu entdecken!

Früher sind wir sogar extra wegen dieser Verkaufsstände Richtung Landau und wieder zurück gefahren. Auf der Hinfahrt noch leicht und beschwingt, und auf der Rückfahrt zwar auch noch beschwingt, wenn auch aus anderen Gründen, aber definitiv nicht mehr so leicht, sondern mit tieferhängendem Auto, weil die Kartoffelsäcke so gedrückt haben.

Da ist man an einem Wochenende im Oktober oder November zwischen Pirmasens und Hauenstein doch keine 500 Meter weitergekommen, ohne wieder abbremsen zu müssen, weil der Vordermann zum nächsten fliegenden Händler abgebogen ist. In Hauenstein wurde dann gedreht, nicht ohne dort noch schnell der ganzen Familie ein paar neue Winterschuhe zu kaufen, und  um dann auf dem Rückweg kurz vorm Beckenhof rechts in den Graben zu fahren, und sich selbst den Kofferraum noch voll zu machen, mit denne gudde Pälzer Grumbeere und zwei Kannischder Fedderweißer!

Natürlich wissen wir ja alle, dass man dabei auf jeden Fall dran denken sollte, den Schraubverschluss zwecks Belüftung des gewaltig gärenden Gutes nicht ganz zuzudrehen. Trotzdem isses mir mal passiert. Was in der Folge dazu führte, dass ich mir ein neues Auto kaufen musste, weil der Plastikbottich auf der Heimfahrt am Neunkircher Kreuz vorm Beifahrersitz explodierte, und dieser süßliche Gestank auch nach drei professionellen Terminen bei einem Tatortreiniger nicht wegzubekommen war.

Trotzdem vermisse ich diese Zeiten. Wo man in der Pfalz noch durch die kleinen Dörfer musste. Vorbei an den Gasthäusern, an denen man auf dem Rückweg aus dem Urlaub immer noch ein letztes Mal rastete, im Angesicht vom Teufelstisch und Trifels.

Bei meinem Transit letzte Woche waren da nur noch zweispurige Fahrbahnen aus blankgelecktem Asphalt und hohe Metallzäune, die so wirkten, als wolle man damit verhindern, dass wir von wildgewordenen Grumbeerhändlern angefallen werden.

Ich gönne den Anwohnern in den ehemaligen Durchgangsstraßen die Ruhe. Aber ich vermisse das Weinluische mit seine staawische Grumbeerfinger!

Michael Friemel


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