Strandleben (Foto: Ville de Metz)

Strandfreunde und Kindertische

Michael Friemel   14.03.2022 | 10:40 Uhr

Stellen Sie sich mal vor, sie kommen mit Ihrem Mann an den Strand, haben es sich gerade auf dem Handtuch, der Liege, oder im Strandkorb gemütlich gemacht – da sagt Ihr Partner: Guck mal, da in der Reihe vor uns – da ist auch eine Frau...

Jetzt gehste da mal hin, und sprichtst ein bisschen mit der.

Friemeleien: Strandfreunde und Kindertische
Audio [SR 3, Michael Friemel, 14.03.2022, Länge: 02:23 Min.]
Friemeleien: Strandfreunde und Kindertische

Und dann müssen Sie da hingehen. Und die andere Frau muss mit ihnen sprechen. Weil deren Mann das natürlich auch gut findet, und sie halt eben auch eine Frau ist. Genauso, wie ja auch Sie eine Frau sind.

Das finden Sie unmöglich? Warum machen Eltern das dann ständig mit ihren Kindern?! Warum müssen Kinder automatisch mit anderen Kindern spielen, nur weil die auch Kinder sind? Jetzt gehste da mal hin und fragst, ob Du mitspielen darfst! Nimm Deine Gießkanne mit.

Was für eine Unart. Zu glauben, dass Kinder sich sympathisch finden müssen, nur weil sie auch Kinder sind. Was habe ich das als Kind gehasst. Meine Eltern haben das auch relativ schnell erkannt und respektiert. Der 6jährige Vincent aus Südfrankreich, den ich weder verstanden habe, der ständig eine verklebte Rotznase hatte, und der ne ziemlich hohle Nuss war – ist das einzige und letzte Kind, an das ich mich da erinnere.
Lassen wir uns als Erwachsene einfach so zu anderen schicken, nur weil die zufällig auch gerade im gleichen Restaurant sind, oder die gleiche Luftmatratze haben?

Ähnlich schlechte Gefühle rufen die Erinnerungen an Kindertische bei Festen von anderen Leuten in mir hervor. Wenn an der in U-Form gestellten Tafel nicht genug Platz für alle Gäste war, und der sogenannte Kindertisch die praktische, wie angeblich liebenswerte Lösung sein sollte.

Das Schlimme ist: Später hat man als junge Eltern selbst auch noch nicht den Mumm, seine eigenen Kindern vor so etwas zu bewahren. Was hab ich die da manchmal mit Rotzlöffeln und Unsympathen zusammen sitzen, und sehnsüchtig zu uns rübergucken gesehen, während wir neben den uns nicht viel sympathischeren Eltern saßen, die uns die Platzordnung zugeführt hatte.

Manchen Dingen entkommt man aber einfach nicht. Im Moment bin ich in einer Art Lebensphase dazwischen. Weil unsere Bekannten meine Schrulligkeit inzwischen kennen, darf ich am oft am erträglichen Teil des Tisches sitzen.

Aber ich sehe mich schon weiter in Richtung meines nächsten Albtraums rutschen. Es sind zwar noch ein paar Jahre, aber mein Platz am Altentisch rückt unaufhaltsam näher. Am äußeren Rand werden jährliche Plätze freigestorben.

Michael Friemel


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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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