Autos fahren nachts bei starkem Schneefall durch Schneematsch. (Foto: picture alliance/dpa/Philipp von Ditfurth)

Sondersendung: Schnee

Michael Friemel   08.02.2021 | 10:40 Uhr

Endlich mal ein bisschen Abwechslung – wir konnten gar nicht mehr wegschalten, am Samstagabend, beim „Wintereinbruch Spezial“ im WDR Fernsehen. Endlich mal ne Krise, die nicht Corona heißt. Und den Kollegen dort beim Fernsehen schien es ganz ähnlich zu gehen.

Wir waren beim Durchzappen an einer Reporterin hängengeblieben, die irgendwo in der leeren Düsseldorfer Innenstadt im Dunkeln stand, vollkommen alleine - selbst vom Schnee, von dem in großen Lettern am unteren Bildrand die Rede war, keine Spur. Aber so entsetzt, wie die junge Dame guckte, so kreischend rot-weiß, wie das Banner mit der Einblendung „Winterchaos in NRW“ uns entgegenschrie, so wenig konnten wir weiterschalten.

Plötzlich wurden Bilder von auf Autobahnen eingeschneiten Menschen gezeigt, die im Auto die Nacht verbringen mussten. Sie sagten solche Sachen wie: „Das ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe – wir haben nichts zu Essen hier!“ Erst nach etwas über einer Minute stellte sich heraus, dass man uns hier Aufnahmen vom Katastrophenwinter 2005 vorgespielt hatte, um zu zeigen, was NRW hier und heute ins Haus stehen KÖNNTE! Dann war wieder die junge Reporterin zu sehen, in der leeren, trockenen Düsseldorfer Altstadt, die berichtete, dass man zwar noch nichts sehe, sie aber den nahenden Wintereinbruch förmlich schon hören und riechen könne. Es sei eben sogar mal richtig windig gewesen, als wir uns den Film von der Autobahn aus 2005 angeguckt haben.

Als Mann vom Fach habe ich mich für die Frau und die Kollegen vom WDR so richtig gefreut. Ich konnte mitfühlen. Endlich mal wieder eine Situation, für die wir im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgebildet werden. Schnee- und Hochwasserberichterstattung. Und nicht so etwas diffuses und bildschwaches, wie ein Virus. Endlich mal wieder sich biegende Schirme bei einer Live-Schalte im dicken Anorak und mit Genitiv-Problemen. Endlich mal wieder eine Konferenz-Schaltung mit einem souveränen Moderatoren-Duo im Studio und Live-Schalten zu allen ansonsten nur bei Parteitagen und Wahlen eingesetzten Reportern vor Ort.

Endlich mal wieder eine Gelegenheit für den in Ausbildung befindlichen Nachwuchs, sich live auszuprobieren und das zu machen, was unseren Job so unvergleichlich macht. Katastrophe in Live. Schnee. Oder wie bei uns letzte Woche: Wasser. Ja sogar Hochwasser. Was haben wir uns gefreut, dass nach Jahren mal wieder die Sperrung der Stadtautobahn drohte. Endlich mal keine Virologe, sondern ein Schleusenwärter im Interview. Endlich mal wieder ein Einsatz, bei dem der Reporter genau wusste, wo er sich auf die Bismarck-Brücke stellen musste, um außer Atem davon zu berichten, dass der Verkehr noch läuft, und vom Hochwasser noch nichts zu sehen ist.

Wir sind auf nem guten Weg aus der Pandemie! Jetzt fehlt nur noch ein ausgebüchstes Bison aus dem Wildpark, und wir können wieder ganz normal unseren Job machen. Für Sie! Immer aktuell!

Michael Friemel


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