Postkarten an einem Ständer (Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa)

Postkarten

Michael Friemel   26.08.2019 | 10:40 Uhr

„Liebe Oma, viele liebe Grüße aus dem Urlaub. Das Wetter ist sehr schön. Wir sind viel am Strand und ich habe schon ganz viele Muscheln gesammelt. Bis bald.“ So landen sie noch immer an Pinnwänden und Kühlschränken. Auch heute, im Zeitalter von Whatsapp und Co.

Postkarten haben ihren Reiz behalten. Auch wenn in diesem Jahr jeder Sommerurlauber über die Portoerhöhung gejammert hat, und die Postkartenverkäufer nicht müde wurden, den jammernden Urlaubern beizupflichten und hinzuzufügen, dass die Post es noch nicht einmal geschafft hat, rechtzeitig genügend 15 Cent-Ergänzungsmarken bereitzustellen.

Am lautesten gejammert haben tatsächlich die, die wahrscheinlich das ganze Jahr über außer kostenfreien Zalando-Rücksendungen nix mit der Post verschicken als diese beiden Postkarten an die Omas. Und die jetzt doch sage und schreibe insgesamt 30 Cent mehr ausgeben mussten als im Vorjahr.

Bei der Motivwahl steht man Jahr für Jahr minutenlang vor dem Drehkarussell und sammelt möglichst unterschiedliche Karten zusammen, obwohl sich die Adressaten ja seltenst treffen, um zu vergleichen und zu überprüfen, dass sie auch wirklich unterschiedliche Motive bekommen haben.

Inhaltlich hat sich auch nichts geändert. Noch immer schreiben die Mütter mit extra krakeliger Kinderhandschrift die Karten an Omas und Paten und rufen die Kleinen dann zum Unterschreiben in großen Blockbuchstaben herbei. Selbst Säuglinge müssen für den Goldigkeitsbonus mit dem Buntstift willkürlich zwei, drei Striche über der Karte verteilen.

Und was im Gegensatz zur flotten WhatsApp natürlich auch dazugehört ist, dass die Karte noch lange nicht da ist, wenn man selbst schon wieder aus dem Urlaub zu Hause angekommen ist.

Aber was wäre eine Rückkehr aus dem Urlaub, ohne die Frage: „Unn, is unser Kart´ schun aaankummm???“

Michael Friemel


Die Friemeleien im Podcast


Michael Friemels "Friemeleien"
Mit dem SR 3-Podcast können Sie zeitversetzt Michael Friemels ganz spezielle Gedanken über Gott und die Welt am Computer oder auf dem MP3-Player anhören. Alle Friemeleien zum Anhören an Rechner finden Sie hier.

http://pcast.sr-online.de/feeds/friemeleien/feed.xml
iTunes:
pcast://pcast.sr-online.de/feeds/friemeleien/feed.xml

Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja