Rheinland-Pfalz-Wappen (Foto: pixabay)

Pfalzausflug

Michael Friemel   03.09.2018 | 10:40 Uhr

Wir Saarländer und Streit mit den Pälzern? Also an den kommenden Wochenenden, wenn das Saarland wieder ausfliegt, um die Weinfeste in der Pfalz zu besuchen, wird diese Mär doch vollkommen wiederlegt.

Schon seit Wochen hängt an vielen saarländischen Küchenpinnwänden ein kleiner Kalender mit den Terminen der Pfälzer Weinfeste, und danach wird dann geplant. Werden Freunde angerufen und überlegt, ob man mit dem Auto oder der Bahn hinfahren soll. Was einerseits geselliger werden kann, als einander im Auto hinterher zu fahren, und was das lästige Problem des "Unn wer fahrt jetzt zerigg, wenn ich getrunk hann ..." lösen könnte.

Aber meistens wird dann doch mit dem Auto hingescheest ... aus einem ganz simplen Grund. Ich sage nur B10! Was wäre denn ein Tag in der Pfalz, ohne die Rückreise über die B10 und den Besuch bei den Fliegenden Händlern. Sie sind zwar im Zuge der Streckenerneuerungen in den letzten Jahren weniger geworden, aber noch immer der Renner.

Bieten sie doch schließlich in diesen Tagen die schönsten Mitbringsel an: Federweißer, Kastanien, Kürbisse, Äpfel und natürlich die gudde Pälzer Grumbeere.

Kilometerlange Staus entstehen da teilweise nur, weil die Fahrzeuge der Käufer an den Marktschirmen bis auf die Straße hinaus stehen.

Hat man dann gekauft, kommt die Frage: Wohin nur mit dem Kanister Federweißer?! Im Kofferraum kippt er um, auf dem Schoß sifft er - also ab damit in den Fußraum zwischen die Beine.

Da steht er dann - der wabbelige Stinketank, der zu allem Übel ja auch noch regelmäßig gelüftet werden muss, damit aus dem Blähtank kein Explosionskörper wird.

Aber Gott sein Dank ist man in diesem Stadium der Reise ja bereits in einer Verfassung, die einen lockeren Umgang mit dem Federweißen begünstigt.

Auf dem Weinfest hat man nämlich vorher mit dem jungen Wein bereits auf Brüderschaft angestoßen, und ist dadurch mit der Gärung sozusagen auf Du und Du.

Als Basis im Magen dient der Pälzer Hausmacherteller, den man sich im Innenhof des Weinguts mit der offenen Tür gegönnt hat, ohne dass man dabei nun auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Quetschekuche verzichtet hätte.

So wohlgenährt geht es dann also über die B10 auf Heimreise. Die beim Aussteigen zu Hause endet mit den Worten: „Ach, is die Palz im Herbschd so scheen ....“

Michael Friemel


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