Drucker (Foto: pixabay (CC0))

„Nix da Hacker… DRUCKER!“

Michael Friemel   07.01.2019 | 10:45 Uhr

Der Datenskandal erschüttert die Republik. Hunderte Politiker, Promis und Journalisten wurden von einem Hacker ausspioniert und ihre Daten einfach so veröffentlicht. Aber was brauche ich denn einen Hacker und das Internet, um mehr über meine Kollegen zu erfahren? Das geht – wie ich seit kurzem weiß – auch mit deutlich geringerem Aufwand. Man muss dafür einfach nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein!

Vier Tage lang musste ich morgens beim Moderieren damit leben, dass der Laserdrucker im Sendestudio den Geist aufgegeben hatte. Vier Tage lang hatte ich Morgen für Morgen vergeblich auf „Drucken“ geklickt, ohne dass auch nur ein einziges Blatt aus der Mühle geflattert kam. Stattdessen stand da im Display immer nur „Toner wechseln.“  Was aber offensichtlich niemand tat.

Bis ich am fünften Tag die Nase voll hatte, und die Initiative ergriff. Im Schränkchen hinter dem Moderationspult hatte ich doch tatsächlich eine noch originalverpackte Tonerkassette gefunden, die ich daraufhin zwischen nem Interview und dem Wetterbericht mal eben so auf die Schnelle einsetzen wollte.

Wenn Sie in ihrem Leben jemals eine Tonerkassette bei einem ihnen bis dato unbekannten Drucker einzusetzen versucht haben, ahnen Sie schon, dass ich damit ein bisschen länger beschäftigt war, als gedacht. Aber: Ich hatte es noch rechtzeitig geschafft. 30 Sekunden, bevor ich das Mikro zum Moderieren wieder aufmachen musste, war ich mit der rumpelnden Tätigkeit fertig. Die Kassette war gewechselt, das Display strahlte wieder im grün statt rot. Aber Ruhe? Pustekuchen!

Ich hatte den Mikrofonregler noch keine zwei Sekunden offen, da ging hinter mir ein Palaver los, den man wahrscheinlich im ganzen Saarland gehört hat. Der Drucker nahm seine Arbeit wieder auf. Und er druckte mit einem Mal aus, was sich in der letzten Woche in ihm angestaut hatte. Der hörte gar nicht mehr auf. Als ich mir meine Dokumente greifen wollte, stellte ich allerdings fest, dass das Gerät nicht nur Friemels Papiere ausgespuckt hatte, sondern auch all die Werke der anderen SR3´ler, die diese Woche einen Druckauftrag erteilt hatten.

Und damit wären wir wieder beim Thema „Wissen ist Macht!“ Glauben Sie mir, ich wollte ja gar nicht drauf gucken. Und selbstverständlich hab ich auch alles diskret im Papierkorb entsorgt. Aber um zu klären, was denn nun von mir, und was von anderen war, musste ich natürlich zumindest mal einen Blick über die Dokumente schweifen lassen. Und jetzt weiß ich, wie es den Kanzlern und Präsidenten dieser Welt geht. Wie schwer es sein muss, mit dem ganzen Wissen umzugehen.

Plötzlich weiß man Dinge, die man gar nicht wissen wollte. Die Last der Welt ruht auf einem. Ich kenne jetzt Mammografie-Ergebnisse, Ferienwohnungsbuchungen, Fastnachtskostümbestellungen und Elternabendprotokolle.

Aber: Ich weiß nicht was zu wem gehört! Da bin ich auf Spekulationen angewiesen. Und seither kann ich das Kopfkino nicht mehr abstellen. Ich sehe Christian bei der Vorsorgeuntersuchung vor mir, stelle mir Renate als Eisprinzessin vor und sehe Carmen als Elternsprecher mit ihren langen Beinen auf viel zu kleinen Schulstühlen sitzen. Mein Leben ist ruiniert. Und all das nur wegen einer blöden Toner-Kassette.

Michael Friemel


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