Museumswärter in einer Ausstellung (Foto: dpa/Andreas Gebert)

Museumswärter

Michael Friemel   28.09.2020 | 10:40 Uhr

Museumswärter - sie lösten bei mir immer das gleiche Gefühl aus, wie der Vorsänger vom Kirchenchor in meiner Kindheit. Der stand während der Messe auch immer hinter mir, und ich spürte seinen grimmigen Kontrollblick im Genick – dafür sorgend, dass auch alle Kinder brav dem Gottesdienst folgten und nicht rumzappelten.

Museumswärter scheinen uns auch stets im Blick zu behalten. Von dem Moment an, wo wir ihren Raum betreten, bis wir uns in den Zuständigkeitsbereich ihres Kollegen oder ihrer Kollegin im Nebenraum begeben. Ihr Blick haftet an unserem Nacken, sie lassen uns nicht eine Sekunde außer Acht.

Viel mehr noch als sie uns das Gefühl vermitteln, wir seien ein potentieller Kunstdieb, geben sie uns zu verstehen, dass wir doch keinerlei Ahnung haben, von dem, was wir uns da anschauen. Ich habe immer das Gefühl, die gucken, wie ich gucke. Ob ich an die richtige Stelle gucke, ob ich mit der passenden Miene gucke, ob lange genug gucke und in welcher Entfernung ich gucke. Also guck ich meistens an Stellen, die mich gar nicht so interessieren, wo aber vor mir schon andere Besucher aufmerksam hingeguckt haben.

Hier im Saarland habe ich allerdings festgestellt, dass meist wir ein falsches Bild von den Wärtern haben. Denn mit denen komme ich als Michael Friemel ja dann doch ab und an mal ins Gespräch, und so durfte ich erfahren, dass viele zunächst einmal viel Ahnung von dem haben, was sie da bewachen, und dass sie dieses Wissen auch ausgesprochen gerne mit den Besuchern teilen.

Und noch einen Vorteil hat es, dass man mich das Personal in den saarländischen Museen oft kennt. Als ich beim letzten Besuch im historischen Museum am Schloss nach einem Toilettenbesuch den Anschluss an meine Familie verloren hatte, bildeten die Wärter untereinander binnen Sekunden eine Walkie-Talkie-Kette und manövrierten mich von Raum zu Raum bis zu meiner Frau und den Kindern.

Fazit: Beurteilt Museumswärter nicht nach ihrem Blick – fragt sie, und sie geben gerne Auskunft.

Michael Friemel


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