Kunden stehen mit Einkaufwagen in einer Schlange vor einem Gartenmarkt (Foto: picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Kniefall vorm Bauhaus

Michael Friemel   02.05.2022 | 10:40 Uhr

Ich muss hier kurz mal Entwarnung geben – es geht mir gut! Falls Sie zu den Menschen zählen, die mich kürzlich im Baumarkt auf allen Vieren gesehen haben: Ich bin wohlauf. Aber da mich inzwischen tatsächlich Mails zu dem Vorfall erreicht haben, erkläre ich an dieser Stelle gerne kurz, was passiert war.

Ich war schon zwei Stunden zuvor im Geschäft und habe unter anderem einen Kanister Balkon-Imprägnierung gekauft. Weil das Wägelchen aber schon voll war mit Stiefmütterchen und Co. hab ich den Kanister unten drauf gestellt. Da, wo normalerweise die Sprudelkisten stehen.

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Friemeleien: Kniefall vorm Bauhaus
Audio [SR 3, Michael Friemel, 02.05.2022, Länge: 02:12 Min.]
Friemeleien: Kniefall vorm Bauhaus

Zuhause angekommen war der Kanister nirgends zu finden. Schnell wurde klar: Den hab ich auf dem Wägelchen unten stehen lassen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Imprägnierung für 70 Euro. Flott machte ich mich wieder auf den Weg. Wer sowas findet, gibt’s doch bestimmt an der Rezeption ab…

Von wegen, Pustekuchen! Dort lachte mich der Mitarbeiter leise aus, ob meines Glaubens an das Gute im Baumarktkunden. Ich wollte diesen Optimismus aber nicht aufgeben, und so machte ich mich auf die Suche nach meinem Wägelchen von eben.

Zuerst ging ich auf dem Parkplatz vor jedem Wägelchenhäuschen in die Knie. Ich wartete immer, bis möglichst niemand in der Nähe war, und krabbelte dann auf allen Vieren um die Abstellplätze drumrum. Aber nix. 70 Euro. Einfach so weg. Das konnte doch nicht sein.

War ich bis dahin möglichst unbemerkt unterwegs, gestaltetet sich die Sache im Baumarkt etwas auffälliger. Was, wenn jemand den Kanister auf dem Wagen durch den Laden schob, ohne sich dessen selbst bewusst zu sein. Davon musste ich nun ausgehen, und so flitzte ich wachsam durch das Geschäft, jeden Wagen kontrollierend, und im Falle einer Unsicherheit schnell auf den Knien, um zu gucken, ob es sich bei der Wagenladung nicht doch um meine Balkonimpregnierung handelte. Dabei blieb ich nicht unbemerkt. Nicht selten guckte ich in fragende Gesichter und begann, einen offenen Schnürsenkel vorzutäuschen.

Wie dem auch sei… es nutzte alles nix. Ich musste noch mal in die Tasche greifen und einen neuen Kanister kaufen. Mir war das eine Lehre.

Und sie wissen jetzt auch, was den Friemel dazu gebracht hat, im Baumarkt den Boden zu küssen. Es war so´n bisschen Papst auf Saarländisch.


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Michael Friemels "Friemeleien"
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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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