Eine Hotelfachangestellte stellt eine Serviette auf einen Tisch.  (Foto: dpa/picture alliance/Marc Tirl)

„Kinder müssen draußen bleiben!“

Michael Friemel   27.08.2018 | 10:40 Uhr

Googelt man die Kombination „Rügen und Kinder“, dann lautet eine der ersten Zeilen in der Trefferliste: „Keine Langeweile für Kinder, Rügen hält viele amüsante Vergnügungen bereit.“ Aha, ein kinderfreundliches Urlaubsziel also. Allerdings macht die Insel gerade durch einen eher wenig kinderfreundlichen Gastwirt Schlagzeilen.

Im Restaurant von Rudolf Markl sind Kinder seit Kurzem unerwünscht. Auf einem Schild vor der Tür steht zu lesen: „Spezialisiert auf Ruhe, Erholung und entspanntes Genießen“

Deswegen haben Kinder unter 14 Jahren ab 17.00 Uhr keinen Zugang mehr.

Nach seinen Gründen befragt, berichtet er, dass sich sein Personal und die Gäste in letzter Zeit immer häufiger von lärmenden, tobenden Kindern gestört gefühlt hätten, die mit Essen geworfen und an Nachbartischen die Tischdecken samt Rotweingläsern runtergezogen hätten.

Das wolle er seinen Gästen künftig ersparen. Und es gäbe darauf fast ausschließlich positive Reaktionen, weil ja alle wüssten, wie es gemeint sei, und dass er selbst Kinder liebe. Bei über 300 Restaurants auf der Insel dürfe ja wohl mal eines kinderfrei sein. Seine Gäste seien auch nicht ausschließlich Touristen, sondern auch Leute, die auf der Insel arbeiten. Und nach Feierabend wollten die auch mal ihre Ruhe haben. Das sei doch verständlich.

Lieber Herr Markl! Lassen Sie mich Ihnen beherzt zurufen: „ICH GLAUBE ES HACKT!“

Und das sage ich ihnen nicht, weil ich im Gegensatz zu Ihnen drei Kinder habe, sondern weil ich total gerne in einer offenen und Menschen freundlichen Atmosphäre essen gehe. Mal mit und mal ohne meine Kinder. Aber das entscheide ich gerne selbst! Ohne das jetzt wirklich zu wissen, vermute ich mal, dass bei Ihnen Hunde ab 17 Uhr weiterhin ein Schälchen mit Wasser unter den Tisch gestellt bekommen.

Ich bin nicht selten in Restaurants. Aber eine Situation, in der Eltern ihre Kinder nicht davon abhalten konnten, die Nachbartischdecken runterzuziehen, habe ich noch nie erlebt. Kinder lachen. Kinder sind auch mal lauter. Kinder laufen auch mal umher. Gott sei Dank. Aber solange sie nicht Nachlauf um die Nachbartische spielen, ist das ihr gutes Recht. Und genauso, wie ich im Alter, wenn meine Kinder mal ausgezogen sind, nie in Versuchung kommen werde in ein Hotel ausschließlich für Paare zu reisen, würde ich einen Laden wie den Ihren selbst im Vollsuff bei völliger geistiger Umnachtung nicht besuchen. Damit bin ich natürlich genau der Gast, auf den Sie in Ihrem Restaurant, das lustigerweise auch noch den Namen „Omas Küche und Quartier“ trägt, gerne verzichten. Es sei Ihnen gegönnt. Aber es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen auch zum Abschluss meiner kleinen, unseriösen Abhandlung noch einmal zuzurufen: „ ICH GLAUBE ES HACKT!“

Michael Friemel


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