Clown (Foto: dpa)

Innovative Fastnachtsalternativen

Michael Friemel   25.01.2021 | 10:45 Uhr

So, die Faasenacht der Intellektuellen hat ihren Corona-Test bestanden – das erste Max-Ophüls Festival in der „Online-Edition“ ist über die Bühne – jetzt müssen auch die echten Faaseboodse beweisen, dass sie neue Wege beim Feiern beherrschen.

Ähnlich wie die Cineasten haben ja auch sie an sich den Anspruch gestellt, ihrer Leidenschaft einen Innovationsschub zu verpassen – aus der Krise eine Chance zu machen. Bei ihrer Sessionseröffnung am 11.11. konnte man allerdings den Eindruck gewinnen, dass es da in den drei verbleibenden Monaten bis Rosenmontag noch mehr als nur einen Geistesblitz braucht. Aber ich bin sicher, da wartet letztendlich ein Innovationsfeuerwerk der guten Laune auf uns! Denn: Die Fastnacht fehlt den eingefleischten Karnevalisten natürlich sehr.

Selbst ich, der ich ja quasi nur noch beruflich Faasenacht mache, träume im Entzug schon von Alternativen. Letzte Woche musste ich wirklich laut lachen, als ich morgens wachwurde, und mich an meinen Traum erinnerte. Was geht da manchmal Nachts in unseren Köpfen vor …

Es war SR 3-Radiokappensitzung im Bürgerhaus in Dudweiler. Aber natürlich ohne Publikum. Ich war ganz alleine in der riesigen Halle. Die Stuhlreihen alle aufgebaut, aber leer. Trotzdem stand ich in vollem Clownsornat auf der Bühne. Aufrecht, mit ausgestreckter Brust. In Richtung Publikum. Die ansonsten leere und undekorierte Bühne im Rücken. Vor mir nur ein riesiger Spiegel. Etwa so groß wie eine Zimmertür. In diesem Spiegel sah ich mich. Allerdings stand ich dort nicht als Clown, sondern ich trug im Stile von Max Rabe Frack, Sominghemd, Fliege und Lackschuhe.

Dann verbeugte ich mich und setzte an. Mein Mund öffnete sich und ich sang mit der glockenklaren Stimme eines Heldentenors: „Zu Bethlehem geboren“

Es war so schön, dass mir selbst die Tränen kamen. Und ich verspürte diese uns im Traum manchmal gegebene hundertprozentige Sicherheit, dass dies der beste Fastnachtsbeitrag gewesen war, den jemals ein Mensch auf einer Bühne dargeboten hatte. Alleh hopp!

Michael Friemel


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