Weihnachtsbaum selbst schlagen oder kaufen? (Foto: SR)

Fröhöliche Weihnacht

Michael Friemel   24.12.2018 | 10:45 Uhr

Weihnachten, das ist das Fest der Liebe. Weihnachten, das ist aber auch das Fest mit dem Baum im Haus. Und die Geschichte des Weihnachtsbaumes ist Jahr für Jahr eine Geschichte voller Missverständnisse...

Diese eine Geschichte voller Missverständnisse - sie beginnt meist irgendwann im Oktober, wenn die Dame des Hauses ihren Gatten dezent darauf hinweist, dass der diesjährige Baum aber bitte einmal etwas höher gewachsen sein solle, als die Vorgängerbäume, und dass man sich nun schon einmal Gedanken darüber machen sollte, welche Dekoration denn in diesem Jahr gewählt wird. Tja, es ist lange nicht mehr so, wie noch vor fünfzig Jahren, wo im Keller eine große Pappkiste stand, in welcher der Jahr für Jahr immer gleiche Baumschmuck wohl gehütet wurde. Heute wird nach Lebensart und jeweiligem Befinden geschmückt!

Da gibt’s es goldene Jahre, da gibt es die Jahre mit den Pausbackenengelchen; sehr gerne genommen auch ein zarter Lila-Touch, der den Baum farblich perfekt an die lilafarbene Couchgarnitur und das schwarze Couchtischchen der modernen Mittdreißiger anpasst, und: Lametta ist wieder in!

So wird also schon sehr früh im Jahr geplant, was erst im Dezember in einem fulminanten Finale zur Aufführung kommt. Der Dezember kann hier bedenkenlos „Monat der Baummythen“ genannt werden. Immer wieder gibt es da Menschen, die uns erzählen wollen, ein Baum, der am 23. Dezember gekauft wird, sei ebenso früh gefällt worden, wie die Tanne, die man am 3. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt kauft. Fubbes! Und nur eine Ausrede für die Pappenheimer, deren 3.Dezember-Tanne bereits am ersten Feiertag mehr nadelt, als unser Hund haart. Aber egal, wann sie gekauft wird – in der Regel darf sich der Baum dann am Weihnachtsvorabend auf einen spektakulären Kampf mit seinem neuen Besitzer gefasst machen. Den das Holz in der Regel für sich entscheidet. Zwei Kernprobleme fallen besonders auf. Erstens: Die richtige Höhe. Was auf dem Marktplatz noch passend aussah, wirkt bereits im Wohnzimmer irgendwie zwei Meter zu groß. Aber wer wären wir, würden wir der Lage nicht mit ein, zwei gekonnten Sägestrichen  Herr werden. In der Regel ist die Tanne nun einen Meter zu klein, weshalb sie – saarlandtypisch -  auf das Fernsehschränkchen gestellt wird, um den Mangel an Größe wettzumachen. Jetzt jedoch isse wieder 5 Zentimeter zu groß, weil ja die Spitze noch drauf muss. Also werden die obersten Zweige mit der Schere nochmals schnell angepasst und nach zwei Stunden haben wir die Dekorationsausgangslage erreicht.

Das zweite Kernproblem fällt nun weitaus komplizierter aus. Die Neigung der Tanne. Die Frau sagt: „Meh no reschts!“ der Mann sagt: „Jetzt isser awwer graad !“ und bis man sich dann einig ist, muss manch ein Keilchen zugeschnitten, mehr als nur eine Schraube im Ständer nachjustiert und einiges an unsichtbarem Nähgarn an der Baumspitze mit der Gardinenstange verbunden werden. Aber dann steht da. In all seiner Pracht. Wie in jedem Jahr natürlich „es scheenschde Bäämsche, dass ma je gehadd han!“

Michael Friemel


Die Friemeleien im Podcast


Michael Friemels "Friemeleien"
Mit dem SR 3-Podcast können Sie zeitversetzt Michael Friemels ganz spezielle Gedanken über Gott und die Welt am Computer oder auf dem MP3-Player anhören. Alle Friemeleien zum Anhören an Rechner finden Sie hier.

http://pcast.sr-online.de/feeds/friemeleien/feed.xml
iTunes:
pcast://pcast.sr-online.de/feeds/friemeleien/feed.xml

Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen