Verkehsberuhigung (Foto: dpa)

Engpass

Michael Friemel   09.07.2018 | 10:40 Uhr

Vor mir liegen 500 Meter gerade Strecke. Eine Straße wie fürs zügige Durchkommen geschaffen - wäre da nicht das Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. Und wären da nicht die zur Verkehrsberuhigung eingezeichneten Parkflächen...

Früher wurden für die Verkehrsberuhigung Blumenkübel oder Bremsschwellen - auch Hubbel genannt - installiert. Heute sind die Gemeinden so knapp bei Kasse, dass sie mit natürlichen Ausbremsern arbeiten, indem sei einfach einzelne Parkflächen direkt auf die Fahrbahn pinseln.

Und wie das mit Parkflächen nun mal ist: Sie sind selten frei, so dass die Rechnung der Verkehrsberuhiger meistens aufgeht. Und eine an und für sich ebene, gerade und freie Strecke zum Slalom-Parcour für Fortgeschrittene wird.

So fahre ich also gerade ein in diese Straße, vor mir die geparkten Autos - zwei links, zwei rechts und immer schön abwechselnd, so dass von der eigentlich recht breiten Fahrbahn nur ein schmaler Streifen übrig bleibt.

Im Prinzip könnte ich jetzt eigentlich auf der Ideallinie - also in der Mitte - flott hindurchkommen, aber am Horizont taucht ein anderes Auto auf, dessen Fahrer emotional das Gleiche durchzumachen scheint wie ich.

Es entbrennt der Kampf ums Durchkommen. Wo werden wir aufeinander treffen? Wer wird in die ungeliebte Situation kommen, dem anderen die Vorfahrt gewähren zu müssen? Zum demütigenden Anhalten hinter einem parkenden Auto gezwungen? Wir kommen einander immer näher. Sind uns inzwischen sogar so nah, dass wir uns in die Augen blicken können. Und eines wird mir klar: Der wird nicht für mich bremsen.

Noch um die 50 Meter... Ich fange an, die Automaße meines Gegners abzuschätzen... Das könnte hinhauen. Es trennen uns noch zwei Parkbuchten. Ich sehe, wie der entgegen Kommende beherzt ausholt und sich eine weitere Lücke erkämpft - frei nach dem Motto "Was man hat, das hat man". Wenigstens werde ich bei dieser Nummer nicht so schnell, dass ich geblitzt werden könnte.

Dann ist es soweit: Aus verkehrsrechtlicher Sicht ist es an mir, Vorfahrt zu haben, denn ich befinde mich bereits im verengten Bereich, also mein Gegner in den Schlauch einfährt. Erschrocken bremse ich ab, denn das wird er - da bestätigen sich nun meine Vermutungen - auf keinen Fall tun. Und dann rast er an mir vorbei - mit einem Reifen auf dem Bürgersteig und mit einem Abstand zu meinem Außenspiegel, der noch kein Papiertaschentuch dazwischen erlauben würde.

Ich warte, bis er weg ist. Dann - mein Herzschlag hat sich wieder etwas verlangsamt - gebe ich Gas, will nur noch weg von hier. Als es plötzlich blitzt, bin ich kurz vorm Verzweifeln. Warum trifft es immer mich? Und diese Typen kommen immer ungeschoren davon!

Michael Friemel


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