Eiswagen an sonnigem Tag (Foto: SR)

Es Eismännje

Michael Friemel   15.08.2022 | 11:45 Uhr

Bei uns war das noch „es Eismännje“. Das war in der Regel ein wirklich kleiner Italiener, der in einem für heutige Verhältnisse nicht minder kleinen alten VW-Bus durch die Gegend fuhr, dabei alle dreihundert Meter eine schrille Glocke betätigte und dann rechts anhielt, wenn man es rechtzeitig auf die Straße geschafft hatte. Und heute...?

Früher, beim Eismännje", standen zur Wahl: das Standardtütchen – also eine kleine, bleiche und weiche Waffel - und bunte Pappbecher in drei Größen. Dazu die sechs Klassiker an Milch- und Fruchteis, wenn´s hoch kam, konnte man auch noch einen Exoten, wie Malaga wählen.

Audio

Friemeleien: Es Eismännje
Audio [SR 3, Michael Friemel, 15.08.2022, Länge: 01:56 Min.]
Friemeleien: Es Eismännje

Das „Eismännje“ sprach breitestes Italo-Saarländisch und bescherte uns solche Ohrwürmer wie „Maansche de Bällcher in die Becher odda uffe die Waffel“.

Sahne kam aus der Salmonellensprühflasche – und wo sich das Eismännje die Hände wusch, wenn es auf seiner Tour mal hinter den Büschen verschwunden war, um ne Bach zu machen, das war uns auch egal.

In den Läden der Eismännjer gab's genau das gleiche Angebot wie im rollenden Eisgeschäft, nur in etwas größer und mit mehr Resopal drumrum. Man nannte das damals Eisdiele.

Heute hat die Eismännjer das Schicksal der Frisöre ereilt. So wie deren Geschäfte seit geraumer Zeit nicht mehr „Friseursalon“, sondern „Haarstube“, „Hair by Uwe“ oder „Coiffeur de Bexbach“ heißen, so sind aus den Eisdielen „Eismanufakturen“ geworden.

Aus italienischer Tradition wurde ein deutsches Handwerk, Luigi heißt jetzt Malte und trägt auf dem Fitnessstudio geformten Body eine weiße Schürze, die die Mädels und das Eis dahinschmelzen lässt, dazu ein Papierschiffchen auf dem Kopf, hat ´nen Labrador zum Liebhaben.

Ein Bällchen Eis ist nicht mehr nur ein Bällchen Eis. Und mit fuffzig Pfennig kommste nicht mehr weit. Malte hat nämlich Betriebswirtschaft studiert. Seine Freundin ist Innenarchitektin, und die VW-Bus mit die Ballawa die Bimmel steht in die Garasch. Weil ist doch viel zu unhygienisch füre die Manufaktur. Awwa aarisch schaad!

Michael Friemel


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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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