Frau kratzt Eis von einer Windschutzscheibe (Foto: dpa)

Eingefroren

Michael Friemel   18.11.2019 | 10:40 Uhr

Ich bin sehr froh, dass ich morgens zu einer Zeit zur Arbeit fahre, zu der noch nicht allzu viele Menschen wach sind. Kurz nach vier – da hat man zwar noch niemanden, der mit Kaffee trinkt, aber auch keinen, der beobachten kann, wie man an einem Morgen wie letzte Woche mit Eis und Frost am Auto zu kämpfen hat. Insbesondere dann, wenn man am Abend zuvor noch laut skandiert hat, „… nö, ne Plane über der Scheibe brauch ich nicht, das wird nicht viel.“

Um es vorweg zu nehmen: Es war dann der Morgen, an dem ich durch den Kofferraum ein-, und durch die Beifahrertür wieder ausgestiegen bin.

Zunächst dachte ich ja, die Zentralverriegelung sei kaputt, die Fahrertür hat sich keinen Millimeter gerührt, aber dann kam die Erkenntnis: Nö – die Kiste ist zugefroren. Ich also rüber zur Beifahrerseite, nur um festzustellen: Gleiches Spiel. Auch hier war kein Einstieg möglich.

Schlüssellöcher, in die man irgendwas Hochprozentiges hätte reinsprühen können, haben die Autos heute ja nicht mehr – also blieb mir nur noch eine Chance. Der Kofferraum.

Und tatsächlich – manchmal lohnt es sich von hinten zu kommen! Ein Klick aufs Schalterchen, und die Klappe war auf.

Jetzt musste ich nur noch von innen die Sitze der Rückbank umklappen und mich in den Fahrgastraum vorarbeiten. Mit dem Kopf nach vorn rutsche ich beherzt Richtung Handbremse, räumte dabei zwei Kindersitze ab, und kam mit der Nase am Schalthebel zum Stehen.

Ob der folgenden akrobatischen Darbietung, um den intern auf den Fahrersitz zu bekommen, wäre Fabian Hambüchen wohl in Ehrdurcht erstarrt.

Dann die Ernüchterung. Ich musste wieder raus – denn die Scheiben waren ja noch vereist. Wie jedes Jahr lag der Eiskratzer noch im Keller, wo ich ihn im Sommer schön ordentlich deponiert hatte. Und so musste wieder die Helene Fischer CD aus dem Handschuhfach herhalten. Die taut alles. Ich also wieder durch den Kofferraum raus, kratzen, wieder rein und ab zum Halberg.

Wo mir das Glück dann übrigens nicht mehr ganz so hold war. Hier wartete auf dem Parkplatz das erste Publikum für meinen tollen Aussteigetrick. Und sie alle waren ein wenig verwundert, dass ich noch lange im Auto sitzen blieb, um offenbar ein Lied zu Ende zu hören. Und erst dann klammheimlich aus dem Kofferraum zu klettern, als sie endlich im Funkhaus verschwunden waren.

Michael Friemel


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