Ein Kind lässt einen Drachen steigen (Foto: Pixabay/cocoparisienne)

Drachenzeit

Michael Friemel   20.09.2021 | 09:49 Uhr

Es ist Herbst, die Nebelschwaden steigen und die Drachen auch. Allerdings nicht unbedingt die selbst gebastelten. Michael Friemel hat da so seine Erfahrungen gemacht.

Wie haben wir früher immer so schön gesungen: „Der Herbst ist da … rüttelt an den Zweigen, lässt die Drachen steigen!“ Ich finds ja toll, dass Kinder auch heute noch Drachen steigen lassen, und dass in den Kinderzimmern und Kitas immer noch Drachen gebastelt werden. Aber ich wünsche den Kindern von heute dabei mehr Erfolgserlebnisse, als mir damals.

Ich hab diese selbstgebastelten Dinger nie in die Luft gekriegt. Was aber – wenn ich heute so drüber nachdenke – kein Wunder war, denn wir haben dickste Papierreste von Tapetenbahnen verwendet, dazu noch einen von der Kindergärtnerin selbst zusammen gemanschten Kindergartenleim, und haben dieses 500 Gramm schweren Teil dann mit ner 30 Zentimeter langen Wollschnur hinter  uns hergezogen.

Hätte man uns damals ehrlich gesagt, dass diese Drachen nur zur Dekoration gedacht sind, oder ihre Herstellung lediglich unserer Beschäftigung dienen sollte, wäre ich wahrscheinlich noch nicht mal böse gewesen. Aber wir waren felsenfest davon überzeugt, dass wir aus zwei gekreuzten Ästen einen richtigen flugfähigen Drachen gebastelt haben, und dass wir einfach zu doof waren, ihn ordentlich in die Luft zu bringen.

Erst Jahre später ist mir aufgefallen, dass eben
a) der Drachen zu schwer,
b) die Schnur zu kurz und
c) wir nur draußen waren, wenn kein Wind ging.

Erst im Erwachsenenalter habe ich dann als leidenschaftlicher Nordseeurlauber durch den Kauf eines ordentlichen Sportdrachens entdeckt, was für einen Spaß man haben kann, wenn das Material passt und auch mal 'ne steife Brise weht.

Das macht mir bis heute Spaß, und ich hab gar nicht mal einen wirklich teuren Drachen gekauft. Vierzig Euro, zwei Schnüre, schnittig wie ein Geodreieck. Das reicht für ein paar simple Loopings und Pirouetten am Strand.

Wobei ich auch hier schnell meine Grenzen aufgezeigt bekam: Selbst so ein kleiner, leichter Sportdrachen kann, wenn man nicht mehr unter Kontrolle hat, unangenehme Schäden verursachen. Meiner nahm förmlich Anlauf, um im Absturz einen am Strand spazierenden Dackel ins Visier zu nehmen. Keine zehn Zentimeter neben dem Hund schlug er ein, wie ein gespitzter Pfeil.

Nun ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren. Drücken sie möglichst schnell ihrem Kind die Schnüre in die Hand, und rufen sie laut: „Du muschd aach uffpasse!“

Michael Friemel


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