Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes steckt einen Strafzettel (Knöllchen) unter den Scheibenwischer eines Autos (Foto: dpa/Jens Büttner)

"Das Knöllchen"

Friemeleien

  07.09.2020 | 10:45 Uhr

Michael Friemel war mal wieder mit dem Auto unterwegs - in Österreich - und parkte auf einem Parkplatz mit Schranke und einem Bezahlautomaten. Alles gut - oder doch nicht? Plötzlich entdeckte er ein Knöllchen? Wie geht denn das? Wieso ihm dann der Klappspaten schmerzlich fehlte, erfahren Sie in seinen Friemeleien.

Es gibt diese Momente, in denen man sich wegen der zu großen Scham einen Klappspaten wünscht. Vor ner Woche wäre ich sehr froh über einen solchen Klappspaten gewesen. Im österreichischen Villach hatte ich auf dem Parkplatz eines Kurbades geparkt.

Es war so‘n ganz klassischer Parkplatz mit Schranke an der Ein- und Ausfahrt, wo man ein Ticket zieht, dieses dann vor der Ausfahrt am Automaten bezahlt - und dann beim Ausfahren wieder an der Schranke in den Schlitz gibt.

Ich komme also aus dem Bad, bezahle am Automaten mein Ticket, gehe ans Auto und entdecke was??? Ein Knöllchen. An meinem Scheibenwischer! Sie fragen zu Recht: Wie das? Ein Knöllchen auf einem Parkplatz mit Schranke? Ich wurde aufgefordert, 20 Euro wegen Parkens ohne gültigen Parkschein zu überweisen.

Weil ich es auch nicht glauben und verstehen konnte bin ich nochmal zum Automaten, aber auch dort fand ich keine Infotafel mit irgendeiner mir unbekannten österreichischen Sonderregelung. Alles wie dehemm.

Ich entschied, nicht weiter darüber nachzudenken und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Die Ausfahrt mit meinem gelösten Ticket gelang im Übrigen völlig unproblematisch. Die Sache hat mir aber dann den ganzen Tag keine Ruhe gelassen.

Am Abend war ich soweit, dass ich die Kurdirektorin von Villach anrief. Ich dachte mir: Geh nicht zum Schmittchen, geh direkt zum Schmitt. Wir sind ja nicht irgendwer. Ich erklärte, dass ich natürlich gerne zahle, wenn man mir erklärt, was ich falsch gemacht habe, aber dass ich es einfach nicht verstünde, warum ich denn da nun ein Knöllchen bekommen hätte. Und siehe da: Auch ihr war das nicht klar.

Frau Direktorin konnte überhaupt nicht verstehen, warum ich da jetzt bei Ihnen ein Knöllchen bekommen hatte. Ich gab natürlich nicht nach und bestand darauf, dass dann doch bitte die Kurverwaltung meinen Strafzettel bezahlen solle. Da bat die Dame mich, ihr doch einmal den genauen Wortlaut auf dem Knöllchen vorzulesen, vor allem den genauen Ort des festgestellten Delikts.

Das war der Moment, in dem ich mir den Klappspaten gewünscht hätte: Der Ort war der Dudoplatz in Dudweiler, bei mir zu Hause. Ich hatte das Knöllchen wohl schon vier Tagen zuvor bekommen - und hatte es am Scheibenwischer mit über die Grenze und einmal quer durch Österreich genommen. Ich verabschiedete mich noch freundlich und wünschte ein schönes Wochenende. Dann legte ich auf.

Michael Friemel


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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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