Otto Kataloge (Foto: dpa)

Bye bye Otto-Katalog

Michael Friemel   17.12.2018 | 10:45 Uhr

Er hätte ihn wirklich verdient. Einen Platz im Abschiedsfilmchen bei den Jahresrückblicken, wo nochmal die verstorbenen Promis des Jahres geehrt werden: der Otto-Katalog.

So viele Jahre hat er uns begleitet. War im Kindesalter ein Quell an ausschneidbarem Spielzeug für den Weihnachtswunschzettel.  Ganz hinten konnte man sicher sein, von der Barbie über den Geheimagentenausrüstungskoffer bishin zum Glibber mit Gummiwürmern alles zu finden, was gerade angesagt, und sonst nur in den Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser in Großstädten zu finden war.

Viele von uns hat der Otto-Katalog in der Pubertät mit dem Nötigsten versorgt. Wo unsere Kinder heute den Browserverlauf löschen müssen, konnten wir die Seiten mit den neuesten Bademodentrends einfach zu-, und beim nächsten Mal wieder aufblättern.

Über die ersten dreihundert Seiten war man ohnehin immer schnell weg. Langweilige Männer in braunen Wildlederparkas und die Kittelschürzenmode konnten wir getrost überblättern, bis wir dann im Kapitel Nachtwäsche und nur zwanzig Seiten später bei den Dessous für den Herrn und die Frau von Welt angekommen waren.

Dann wurde es mit Campinggaskochern und Werkzeugkästen nochmal kurz etwas unspektakulärer, bevor uns eine Seite besonders ansprach, ohne dass wir so wirklich wussten warum.

Es war die Seite, die sich offensichtlich der Gesundheit widmete – heute würde man sagen: Dem Wellnessangebot für die Heimanwendung. Da gab es Höhensonnen und Rotlichtlampen. Aber eben auch diese Dame. Mit den freien Oberarmen. Die offenbar sehr verspannt waren. Ja, diese Frau musste unter einer chronischen Erkrankung der Oberarmmuskulatur leiden. Denn sie hielt sich einen beigefarbenen Stab an den Oberarm, der uns nicht bekannt war, der aber eine gewisse Faszination auf uns ausübte. Denn dieser Stab schien ihr Entspannung zu verschaffen. Und das nur alleine durch das „an-den-Oberarm-Halten.“  Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände. Und das für 39 Mark 95. Inklusive Batterien. Da konnte man nix sagen.

Michael Friemel


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