Zu Gast in Dautweiler

  10.11.2005 | 11:05 Uhr

Am 17. November ist der "Treffpunkt Ü-Wagen" zu Gast in Dautweiler. Der 600 Seelen Ort mit seiner langen Geschichte, die bis in die Keltenzeit reicht, kann nach Jahren der Landflucht heute auf ein reges Dorfleben stolz sein.

Zu Gast in Dautweiler

Am 17. November ist der "Treffpunkt Ü-Wagen" zu Gast in Dautweiler. Der 600 Seelen Ort mit seiner langen Geschichte, die bis in die Keltenzeit reicht, kann nach Jahren der Landflucht heute auf ein reges Dorfleben stolz sein.

Niemand weiß so genau, wie viele Menschen überhaupt in Dautweiler leben. 400? 500? Wahrscheinlich so um die 600, sagt Walter Krächan, der Ortsvorsteher von Hasborn-Dautweiler. Heute ist das ein gemeinsamer Ort.

Im Mittelalter trennte die beiden Dörfer fast alles. Die Dautweiler waren Leibeigene der Grafen von Dagstuhl. Die Hasborner waren Freie und unterstanden unter anderem Grimburg. Ein junger Mann aus Dautweiler, der nach Hasborn freien gehen wollte, musste sich mit mindestens einer Kuh von der Herrschaft loskaufen. Da kaum einer soviel besaß, waren Heiraten zwischen Hasbornern und Dautweileren eher selten.

Heute ist das anders. Zwar gibt es immer noch eine unterschwellige Rivalität, dennoch machen die Dautweiler und Hasborner alles gemeinsam. Das ist auch notwendig, gibt es in Dautweiler doch keine Gastwirtschaft mehr, kein Geschäft, keine Schule, ja sogar der letzte Verein wurde mangels Masse aufgelöst.

Den Anfang machten die Kelten

Dabei ist Dautweiler älter als Hasborn: Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 835, Hasborn erst rund 140 Jahre später. Besiedelt wurde Dautweiler aber schon in grauer Vorzeit: Vor 2.500 Jahren lebten die Kelten hier, davon künden Tontöpfe und Mahlsteine, die der Heimatforscher Alois Finkler im Heimatmuseum in Hasborn ausgestellt hat. Auch das "Wildfrau-Häuschen" an der Quelle, die im Dautweiler Wald entspringt, deutet darauf hin, dass hier eine keltische Muttergottheit verehrt wurde.

Heute ist dort eine Mariengrotte. Der Kriegsheimkehrer und Maurer Peter Brachmann hatte in Gefangenschaft ein Gelübde abgelegt und die Stätte nach dem Vorbild der Mariengrotte in Lourdes gebaut. Bis heute wird sie von zahlreichen Wanderern besucht, die hier stille Einkehr suchen.

Auch die Römer siedelten in Dautweiler

Nicht weit weg davon finden sich, noch nicht ausgegraben, eine römische "Villa Urbana" und eine "Villa Rustica". Auf Deutsch: eine Luxusvilla und ein römisches Landhaus. Bereits die Römer genossen hier also schon den einzigartigen Ausblick über das halbe Saarland. Die Römerstraße, die durch den Ort führt, legt davon Zeugnis ab. Sie nimmt fast exakt den selben Verlauf wie die ursprüngliche römische Straße, die über den Berg Richtung Überroth führte.

Ein Dorf mit Durchgangsverkehr

Heute macht sie den Dautweilerern das Leben schwer: Fast schnurgerade führt sie hinunter bis Hasborn und kaum ein Autofahrer denkt auch nur daran, den Fuß vom Gas zu nehmen. Und weil man gerade so schön Schwung hat, rast man auch durch den Ortskern, so dass die Fußgänger mehr als einmal am Tag hastig zur Seite springen müssen.

Die Dautweiler wünschen sich einen Zebrastreifen. Doch dafür ist das Fußgängeraufkommen nicht hoch genug. Für Zebrastreifen gibt es nämlich exakte Vorschriften. Und, wie so oft, müssen sich die Menschen nach den Vorschriften richten statt umgekehrt.

Belebtes Dorfleben

Davon abgesehen leben die Dautweiler das friedliche Leben von Dorfbewohnern, die ihre Arbeit in der Ferne suchen müssen, ihre Freunde und Freude aber zu Hause haben. Nachdem es lange Jahre eine Landflucht gab, sind mittlerweile wieder viele junge Paare nach Dautweiler zurückgekehrt. Auch Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion haben hier eine neue Heimat gefunden; und wenn Dorffeste sind, stehen Dippelappes und Borscht in schöner Eintracht nebeneinander.

Selbst amerikanische Austauschschüler werden in kürzester Zeit ins Dorfleben integriert. Das Programm zur Erhaltung der Ortskerne, das der Ortsrat von Hasborn-Dautweiler aufgelegt hat, hat also Erfolg: In Hasborn wie in Dautweiler gibt es kaum Leerstände wie in anderen Gemeinden.

Klein-Liliput im Ortskern

Besonders schön am Ortskern von Dautweiler sind nicht nur die bunt angestrichenen Häuser, sondern auch ein Garten gleich neben dem Ehrenmal: Aus der Idee von Werner und Marliese Klesen, aus einem Brunnen einen Fischteich zu schaffen, wurde eine Art Klein-Liliput. Dem Teich folgte eine Brücke über den Bachlauf, der durch den Garten fließt und eine kleine Wassermühle mit Mühlrad. Aus einem alten Wasserrohr bauten sie eine Art Ziehbrunnen, da wohnten Igel drin. Einem Entenpaar gefiel der Garten; die mussten ja irgendwo wohnen und so bauten die Klesens ein Entenhäuschen, das aussieht wie ein kleines Hochhaus. Demnächst soll noch eine kleine Eisenbahn folgen; eine, mit der die zahlreichen Kinder, die Klein-Liliput anzieht, sogar richtig fahren können.
In jedem Fall lohnt es sich, einen Ausflug nach Dautweiler zu machen, sind die Bewohner hier doch kontaktfreudig und für einen Schwatz immer aufgeschlossen.

Lisa Huth

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