Die Landauer befassen sich auch ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)

Wissen, was in Landau geschah

Die Geschichte der Juden im Frank-Loebschen Haus

Karin Mayer   22.06.2019 | 16:02 Uhr

Es ist schon ein besonderer Moment: Man geht durch ein Tor in den Innenhof der Kaufhausgasse 9 in Landau und steht im Innenhof eines mittelalterlichen Hauses. Das Gebäude hat vier Flügel und bildet damit ein in sich geschlossenes Karree. Auf zwei Etagen blicken offene Rundgänge zum Hof.



Die Landauer befassen sich auch ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Der Brunnen im Innenhof der Frank-Loeb-Hauses.

In diesem Haus haben im 15. Jahrhundert mehrere Familien hier gelebt. Viel buntes Treiben muss das hier gewesen sein. Vielleicht wurde im Innenhof die Wäsche getrocknet. Ein öffentlicher Brunnen brachte viele Besucher und fast immer gab es eine Gaststätte in der Kaufhausgasse 9 in der Landauer Altstadt.

So wie jetzt hieß sie Gasthaus Blum. Reisende trafen hier im Frank-Loebschen Haus ein. Denn zeitweise hat der Gastwirt auch eine Postkutschen-Station betrieben und die Pferde gewechselt.

Bürgerinitiative verhinderte Abriss

Das ist lange her, aber man begreift schnell, das Frank-Loebsche Haus atmet Stadtgeschichte. Deshalb wollten die Landauer auch nicht zulassen, dass das Haus abgerissen wird.

Die Landauer befassen sich auch ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Die einstige Synagoge von Landau, zerstört in der "Reichspogromnacht" 1938.

Ende der 1980er Jahre hat sich eine Bürgerinitiative dafür eingesetzt, dass das halb verfallene Haus renoviert wurde. Zu Recht. Schließlich konnten die Landauer eigentlich keinen besseren Ort finden, um die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Und dazu gehört die Geschichte der Juden in der Pfalz.

Juden waren Teil des städtischen Lebens

Seit dem 14. Jahrhundert lebten in der Landau jüdische Mitbürger. Es gab eine große Judengasse, heute die Theaterstraße, und eine kleine Judengasse. Jüdische Familien waren Teil des städtischen Lebens und Teil eines friedlichen Miteinanders.

Die Landauer befassen sich auch mit ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Das Innere des Überseekoffers von Robert Metzger und weitere Utensilien.

Wie gut das Verhältnis war, das bestimmte die Finanzlage der Stadt. Immer dann, wenn die Stadt Geld brauchte, hat man jüdischen Familien den Zuzug in die Stadt erlaubt, weil sie dann die sogenannte Judensteuer zahlen mussten, so berichtet die Landauer Archivarin Christine Kohl-Langer.

Brachen Krankheiten aus, so wurden die Juden dafür verantwortlich gemacht und der Stadt verwiesen. Es war ein ständiges Hin und Her über viele Jahrhunderte. Es gab eine starke jüdische Identität in der Stadt, so Christine Kohl-Langer. In den Jahren 1933 bis 1945 ist sie komplett zerstört worden.

Überlebende eingeladen

Die Landauer befassen sich auch ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Eines der wenigen Ausstellungsstücke im Frank-Loeb-Haus.

Erst Ende der 80er Jahre hat die Stadt Landau damit begonnen ihre jüdische Geschichte aufzuarbeiten. Denn das Frank-Loebsche Haus wurde 1988 eingeweiht, und der Oberbürgermeister hatte die Idee, alle ehemaligen überlebenden Landauer Juden in die Stadt einzuladen.

Über 60 Menschen aus der ganzen Welt sind angereist. Viele haben ihre ehemalige Heimatstadt zum ersten Mal wieder gesehen. Die Stadt Landau hat ihre Fluchtgeschichten und Überlebenswege gesammelt. Diese lokale Vergangenheitsbewältigung ist heute das Herzstück des Museums im Frank-Loebschen Haus.

Persönlich und bewegend

Die Landauer befassen sich auch mit ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Viele Fotos dokumentieren die damalige Zeit.

Es sind die persönlichen Geschichten der Landauer Juden, die hier im Mittelpunkt stehen. Viele Fotos und Texte, wenige Ausstellungsstücke, aber dafür viel Bewegendes.

Zum Beispiel die Geschichte von Robert Metzger. Ein Foto zeigt ihn im Lager Gurs. Dorthin wurden rund 7.000 Menschen aus der Pfalz, dem Saarland und dem Elsass gebracht, deportiert von den Nationalsozialisten.

Die Landauer befassen sich auch mit ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Robert Metzger im Lager Gurs.

Robert Metzger konnte aus dem Lager fliehen, lebte bis zum Kriegsende im Untergrund und kam als einer der wenigen überlebenden Juden 1945 zurück nach Landau. Dort hat er zeitlebens den Finger in die Wunde gelegt, erzählt Christine Kohl-Langer.

Überseekoffer, zufällig entdeckt

Erst nach seinem Tod kam sein Koffer ins Museum. Zufällig auf einem Flohmarkt sei er aufgetaucht, sagt die Ausstellungskuratorin und Archivarin. Es ist ein so genannter Überseekoffer, er steht im dritten Raum der Ausstellung.

Die Landauer befassen sich auch mit ihrer der schmerzlichen Erinnerung. (Foto: Karin Mayer)
Der Überseekoffer von Robert Metzger wurde auf einem Flohmarkt gefunden.

Woher man weiß, dass der Koffer Robert Metzger gehört hat? Er hatte mit Bleistift seinen Namen darauf geschrieben.

Dorothea Drexler kam zurück

Bewegend ist auch die Geschichte von Dorothea Drexler. Sie kam 1988 auf Einladung der Stadt nach Landau zum Treffen der überlebenden Juden. Für sie ein einschneidendes Erlebnis. Sie kehrte daraufhin zurück aus den USA, um wieder in Landau zu leben, wo sie bis zu ihrem Tod blieb.

Es ist ein kleines, aber feines Museum, das die Landauer sich da erarbeitet haben. Es erzählt von einer Stadt, die nicht nur stolz auf ihre Geschichte sein kann, sich dieser Geschichte aber stellt und genau hinschaut.

Die Landauer befassen sich auch mit ihrer schmerzlichen Vergangenheit. (Foto: Karin Mayer)
Dorothea Drexler kam zurück aus den USA, blieb - und berichtete.

Schon vor der Machtergreifung Hitlers 1933 war Landau eine Nazi-Hochburg. Die NSDAP hat hier schon im Juli 1932 bei den Reichstagswahlen 55 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint, mehr als im Durchschnitt in der ganzen Pfalz und mehr als deutschlandweit.

Auch an die Familie Frank-Loeb wird erinnert. Das Haus in der Kaufhausgasse 9 gehörte seit 1840 der Familie Frank. Zacharias Frank war Geldverleiher oder Bankier. Er hatte elf Kinder und sicher viel mehr Enkel und Urenkel.

Zur Familie gehörte auch Anne Frank

Eine von ihnen, Anne Frank, wurde später weltberühmt durch ihr Tagebuch. Ob sie jemals in das Haus in Landau kam, ist nicht bekannt. Aber Olga Loeb, geborene Frank, war die letzte jüdische Besitzerin. Auch nach ihr ist das Haus benannt.

Sie floh in den 1940er Jahren nach Luxemburg und wurde von dort nach Theresienstadt deportiert. Das Haus in der Kaufhausgasse vermachte sie 1946 nach ihrem Tod einer Landauer Freundin, die es an die Stadt Landau verkaufte.

Heute ein Kulturzentrum

Lange konnte sich die Stadt nicht entschließen, was daraus werden sollte und ließ es verfallen. Zum Glück ist es dabei nicht geblieben.

Heute ist das Frank-Loebsche Haus nicht nur ein kleines Kulturzentrum, mit einer Galerie und Konzerten im Innenhof. Es ist eines von zwei Original-Gebäuden aus dem 15. Jahrhundert in Landau, die den großen Stadtbrand Ende des 17. Jahrhunderts überlebt haben.


Auf einen Blick


Kontakt
Büro für Tourismus
Marktstraße 50
76829 Landau in der Pfalz
Tel.: (06341) 13-83 00
E-Mail: touristinfo@landau.de

Öffnungszeiten
Di. - Do.: 10.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr,
Fr. - So.: 11.00 - 13.00 Uhr.

Eintritt
Der Eintritt ist frei. Führungen nach Vereinbarung.

Anfahrt
Ab Saarbrücken über die A 8 und B 10 bis Landau, dann Richtung Landau Zentrum und Richtung Parkplatz Alter Messplatz (Nordring 5), von dort geht man zu Fuß in die Fußgängerzone, zweite links abbiegen.

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